Wut, Entsetzen, Fassungslosigkeit: Die Gewaltexzesse nach dem Fußballspiel in Ägypten mit 71 Toten und zahlreichen Verletzten haben weltweit Funktionäre, Spieler und Fans schockiert. FIFA-Präsident Sepp Blatter sprach von einem Schock für den Fußball. »Wir müssen sicherstellen, dass sich solch eine Katastrophe nie mehr wiederholt«, schrieb Blatter am Donnerstag in einem offenen Brief. »Afrikas Fußball ist in Trauer«, kommentierte der Präsident des afrikanischen Fußballverbandes CAF, Issa Hayatou, die Tragödie von Port Said.
Nach dem Abpfiff des Spiels, das die Heimmannschaft Al-Masri gegen den Traditionsclub Al-Ahli aus Kairo 3:1 gewonnen hatte, machten Zuschauer regelrecht Jagd auf Ahli-Spieler und Fans. Für die Profis, die in Panik in die Kabine des Stadions geflüchtet waren, und die Klubverantwortlichen ist eine Welt zusammengebrochen. Im ersten Schock kündigte Torhüter Scharif Ikrami an: »Es ist vorbei. Wir haben alle eine Entscheidung getroffen, dass wir nie wieder Fußball spielen werden«, sagte er dem heimischen Fernsehsender ONTV.
Andere ausländische Profis tragen sich nach der Tragödie mit Abwanderungsgedanken, so wie der aus Brasilien stammende Ahli-Stürmer Fábio Júnior. »Ich hatte mich für hier entschieden, weil ich an die Zukunft meiner Familie dachte. Aber mit dieser Gewalt kann man nicht leben«, sagte der geschockte 29-Jährige.
In einer ersten Reaktion entließ der ägyptische Premierminister Kamal Al-Ganzouri nach einer Krisensitzung des Kabinetts gestern die gesamte Spitze des nationalen Fußballverbandes. FIFA-Präsident Blatter forderte den ägyptischen Fußballverband derweil auf, die Ursachen für die Krawalle aufzuklären. Der Weltfußballverband erwarte einen Bericht zu der Eskalation im Stadion. »Das ist ein schwarzer Tag für den Fußball«, sagte Blatter, der im Namen der FIFA den Ägyptern volle Unterstützung anbot. Der Fußball besitze so eine großartige Kraft, dass man es nicht zulassen dürfe, dass er missbraucht werde. Darüber hinaus sprach Blatter den Familien der Opfer sein Beileid aus.
Auch Mohamed Zidan, der einzige Ägypter in der Bundesliga, trauert um die Opfer. »Die Nachrichten und Bilder aus meiner Heimatstadt Port Said schockieren mich, sie machen mich sehr betroffen. Ich fühle mit den Angehörigen«, sagte der 30-jährige Stürmer vom FSV Mainz 05, der neben dem Stadion aufwuchs und selbst in Port Said gespielt hat. Deshalb möchte Zidan die Deutsche Fußball-Liga bitten, im Spiel am Samstag bei Schalke mit Trauerflor auflaufen zu dürfen. SID/dpa
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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