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Angst vor Pferdeimpfung?

Anja Sobczak über ein Experiment mit manipulierten Bakterien

Anja Sobczak ist Diplom-Geografin und Referentin fürLandwir
Anja Sobczak ist Diplom-Geografin und Referentin fürLandwirtschaft und Gentechnik beim Umweltinstitut München e.V.

nd: Das Umweltinstitut München hat vergangene Woche die Massen-E-Mail-Aktion »Kein Genimpfstoff für Tiere« gestartet, weil in Mecklenburg-Vorpommern demnächst ein großes Freilandexperiment stattfinden soll. Worum geht es?
Sobczak: Da geht es um einen Impfstoff für Pferde, der genmanipuliert ist. Das gibt es in der Medizin mittlerweile oft, aber hier handelt es sich um lebende Bakterien. Die sind noch vermehrungsfähig und können sich während dieses Versuchs, und natürlich auch danach, in der Umwelt unkontrolliert verbreiten.

Gibt es genmanipulierte Impfstoffe auch in der Humanmedizin?
Ja, aber da leben die Bakterien nicht mehr, sie werden nicht freigelassen. In diesem Fall wurde eine Freisetzung angemeldet, denn dieses genmanipulierte Bakterium soll in die Umwelt entlassen werden.

Wie kommt das Bakterium in die Umwelt? Wird es den Pferden nicht gespritzt?
Nein, es wird rektal verabreicht. Das heißt, sobald das Pferd verdaut hat, kommt das Bakterium unter Umständen auch wieder raus und dann liegt es erst mal im Stall. Es ist ein Bakterium, das heute schon eine Lungenkrankheit auslöst und gentechnisch manipuliert wurde. Über Staub, Luft und über Tiere, die in den Stall fliegen oder laufen, kann es dann auch aus dem Stall hinausgelangen.

Wer führt zu welchem Zweck dieses Experiment durch, wer will diesen Impfstoff überhaupt entwickeln?
Anmelder dieses Versuches ist die Intervet International, ein Pharmaunternehmen aus Holland. Es gehört zum amerikanischen Merck-Konzern, der in Europa MSD heißt. Die haben den Impfstoff zusammen mit einer Universität hergestellt. Das Ganze soll auf dem Gestüt des Herrn Schockemöhle getestet werden, den man ja aus dem Reitsport kennt.

Warum ist ein neuer Impfstoff mit diesen genmanipulierten Bakterien nötig?
Aus meiner Sicht ist er gar nicht nötig. Der Pharmahersteller will Pferde gegen diese Lungenkrankheit impfen. Aber diese Krankheit spielt in Deutschland eine sehr untergeordnete Rolle. Wenn Tiere artgerecht gehalten werden, tritt sie so gut wie nie auf. Die Krankheit ist vor allem dort ein Problem, wo viele tausend Tiere auf engstem Raum zusammengepfercht werden. Dort besteht eine große Ansteckungsgefahr, wie bei jeglicher Form der Massentierhaltung. Das ist aus unserer Sicht also eher ein Problem der Tierhaltung. Menschen können aber auch an dieser Lungenkrankheit erkranken. Daher befürchten wir, dass durch dieses genmanipulierte Bakterium auch Menschen in Gefahr geraten können.

Dieser Impfstoff wäre also gefährlicher als andere mit Lebend-Bakterien. Was sagt denn Intervet selbst zu den Risiken?
Die sagen, dass es keine Risiken gibt. Das krankmachende Potenzial des Bakteriums soll durch die Genmanipulation ausgeschaltet sein. Aber die Tests, auf denen das basiert, sind aus unserer Sicht nicht aussagekräftig genug. Und die Firma gibt in ihrem Antrag zu, dass sie eine Übertragung auf den Menschen und eine Gefährdung der Umwelt nicht hundertprozentig ausschließen kann.

Fragen: Ralf Hutter

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