Von Hermannus Pfeiffer
04.02.2012

Mit den Nutzern steht und fällt alles

Facebook-Gründer Zuckerberg pokert beim Börsengang hoch

Facebook geht an die Börse. Im ersten Schritt bietet Konzernboss Mark Zuckermann nur fünf Prozent der Papiere zum Kauf für Anleger an. Das soll den Kurs schon vor dem Börsengang in die Höhe treiben. Mit 100 Milliarden Dollar scheint der Konzern zudem weit überbewertet zu sein.

In der Vergangenheit hat Facebook-Gründer Zuckerberg oft durchblicken lassen, dass ihm ein Börsengang zuwider sei. Nun legte der Multimilliardär der amerikanischen Aufsichtsbehörde SEC seinen Börsenprospekt vor - und erlaubte damit erstmals Einblicke in die Geschäftszahlen von Facebook. Und die sind beeindruckend: Die Firma erzielte 2011 bei einem Vier-Milliarden-Dollar-Umsatz einen Gewinn von einer Milliarde.

Der Dank dafür gebührt der angeblich 845 Millionen zählenden Fangemeinde des »sozialen Netzwerkes«, mit der die Werbewirtschaft angelockt wird. 2008 spielten erst ein paar Millionen mit dem »Studenten-Jahrbuch«, wie Facebook sinngemäß übersetzt wird. Dann engagierte Zuckerberg die schon bei McKinsey und Google erfolgreiche Geschäftsfrau Sheryl Sandberg, um Facebook zu kommerzialisieren.

Heute ist die Marktdurchdringung der bei Justizministern, Datenschützern und Eltern unbeliebten Internetplattform beachtlich: Laut Börsenprospekt nutzen 80 Prozent der US-Bürger mit Internetanschluss Facebook. Zur Freude auch der Personalchefs in Firmen, die sich noch nie so leicht über ihren Nachwuchs erkundigen konnten. Ähnlich hoch ist die Marktdurchdringung in Nord- und Südamerika, im Nahen Osten und Afrika. In Europa sind »nur« 68 Prozent dabei. Damit, und das macht Börsenanalysten Sorge, ist der Weltmarkt nahezu abgeschöpft und Konkurrenten wie Google und Microsoft holen auf. Die Hoffnungen des Konzerns ruhen daher auf Asien. Dort sind erst 25 Prozent Facebook-Fan. Zudem sollen die User zu intensiverer Nutzung verleitet werden, um höhere Werbeeinnahmen zu erzielen.

Ohne Nutzer wäre Facebook nichts wert. Auch an der Börse nicht. Hochgerechnet soll der Preis für Facebook 75 bis 100 Milliarden Dollar betragen. Viel zu viel für ein Unternehmen mit einem Jahresgewinn von »nur« einer Milliarde, meinen Analysten. Als das mit dem zehnfachen Umsatz gesegnete Google an die Börse ging, summierte sich dessen Aktienwert auf gerade mal 25 Milliarden Dollar.

Unweigerlich erinnert der Börsengang an die Internetblase zur Jahrtausendwende. Als diese platzte, crashten die Börsen, Tausende Unternehmen gingen unter und die Ex-Bosse lachten sich ins Fäustchen: Sie hatten längst Kasse gemacht. Auch Zuckerberg, Sandberg und einige Finanzinvestoren, die bereits an Facebook beteiligt sind, haben ihre Schäfchen dann im Trockenen - sie werden jetzt Kasse machen und einen Teil ihrer Aktien an der Börse versilbern. Allein Zuckerberg gehören 28 Prozent der Anteilspapiere. Zudem hat sich der clevere Geschäftsmann die Stimmenmehrheit gesichert, auch wenn er viele Aktien verkauft, und obendrein wird er seinen Nachfolger im Todesfall bestimmen können. Ob Facebook dann vielleicht längst von anderen Netzwerken abgelöst wurde, wird sich ab Sommer am Aktienkurs ablesen lassen.

Lexikon

Facebook ist die »Mutter« aller sozialen Netzwerke im Internet. Seit Februar 2004 kann sich dort jeder ein eigenes Profil erstellen, inklusive Fotos, persönlichen Vorlieben und langen Listen mit Freunden. Und genau da setzt auch die Hauptkritik an: Immer wieder wurden datenschutzrechtliche Probleme bekannt, die bis heute nicht behoben sind. So ist es beispielsweise nicht ohne Weiteres möglich, Profile oder Daten wieder zu löschen. nd

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