06.02.2012

Hauptsache Spaß!

Vor bald dreißig Jahren erschien Neil Postmans »Wir amüsieren uns zu Tode«. Die Bilderflut der elektronischen Medien berge die Gefahr in sich, die Erkenntnis- und Wahrnehmungsanstrengung durch die Mittel der Zerstreuung zu ersetzen, so der amerikanische Erziehungswissenschaftler. Es war vorhersehbar, dass diese Warnung die seither vollzogene Entwicklung nicht aufhalten würde. Vielmehr haben wir uns einreden lassen, wir lebten in einer Spaßgesellschaft, in der Mephistos verführerischer Satz »Die Müh‘ ist kurz, der Spaß ist groß« das oberste Gesetz zu sein habe.

Heutzutage hat einfach alles und jedes Spaß zu machen. Dass vieles auch lästig und unbequem ist, ja sein muss, wird am liebsten unter den Teppich gekehrt. Und wenn sich die »Mühen der Ebenen« beim besten Willen nicht mehr leugnen lassen - ob in der Schule oder später im beruflichen Alltag -, wird das als eine Zumutung empfunden, der sich allenfalls mit der »neuen Kultur der Anstrengung« beikommen lässt.

Dabei wissen gerade die Apologeten dieser Spaßgesellschaft, dass das Leben kein immerwährender Amüsierbetrieb ist. Dies mit allen Mitteln den Menschen einzureden und sie damit unmündig zu machen, ist die Botschaft von Aldous Huxleys »Schöne neue Welt«, der wusste, »dass das Verlangen des Menschen nach Zerstreuung fast grenzenlos ist«. Das von ihm entworfene Bild einer Gesellschaft im Jahr »632 nach Ford« ist nicht weniger bedrohlich als George Orwells »1984«.

Alles Lamentieren hilft freilich nicht, wenn selbst der Besuch beim Arzt schon Spaß machen soll. Wie sonst ließe sich wohl deuten, dass im Warteraum eines Lungenfacharztes der informierende Aushang über das Prozedere einer (eher unangenehmen) Lungenfunktionsprüfung in dem aufmunternden Wunsch gipfelt: »Viel Spaß bei der Lungenfunktionsprüfung. Ihr Lungenfunktions-Team«? Schöne neue Welt eben.

AUM