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Von Gisela Dürselen, München 06.02.2012 / Ausland

Kein Frieden mit der NATO

Münchener Sicherheitskonferenz von lautstarkem Protest begleitet

Die Stimmung auf der Münchener Sicherheitskonferenz (SiKo) und der Protestdemonstration war ähnlich: Empörung, Wut, Ratlosigkeit. In der Konferenz über das russisch-chinesische Veto gegen die Syrien-Resolution des Sicherheitsrats, außerhalb gegen die NATO, deren selbst erklärte Rolle als Friedensgarant den Demonstranten wie Hohn in den Ohren klingt.

Von »Skandal« und »Schande« war am Sonntag auf der Sicherheitskonferenz in München die Rede, wo mehr als 350 Spitzenpolitiker und Experten aus 60 Ländern versammelt waren. Die jemenitische Friedensnobelpreisträgerin Tawakkul Karman brachte die Stimmung am Abschlusstag auf den Punkt: Russland und China seien mitverantwortlich für die Verbrechen des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, sagte sie. »Diese beiden Länder tragen die menschliche und moralische Verantwortung für die Massaker.«

Einen anderen Schwerpunkt in Sachen Verantwortung für die Gewalt legte die Gegendemonstration zur SiKo. »Kein Frieden mit der NATO - Kein Frieden mit dem Kriegsgeschäft« so das bekannte Motto der Protestbewegung. Laut Organisatoren waren rund 4000 Menschen am Samstag dem Aufruf gefolgt. Der Marsch vom Karlsplatz zum Marienplatz wurde Claus Schreer vom Aktionsbündnis zufolge wegen einiger Seitentransparente mehrmals gestoppt, weil die Stadt München im Vorfeld ein Verbot für diese erteilt hatte. Die Polizei nahm einige Teilnehmer fest, unter ihnen ein Teammitglied des Reggae-Wagens, weil dessen Musik zu laut war.

Zum »Lärm für den Weltfrieden« hatten knapp 100 Initiativen, Gruppen und Organisationen des Aktionsbündnisses gegen die SiKo aufgerufen. Die Teilnehmer der Aktion forderten Bildung statt Rüstung und protestierten lautstark und mit Fantasie gegen Krieg und Waffenexporte, gegen ein »deutsches Europa« und gegen die »Nord-Atlantische Terror-Organisation«, wie auf einem mitgeführten Banner zu lesen war.

Unter den Teilnehmern waren viele bekannte Namen. So die Hauptrednerin der zentralen Kundgebung auf dem Marienplatz, Malalai Joya aus Afghanistan. Die Aktivistin für Frauenrechte, gegen Besatzung und Korruption war 2005 jüngstes Mitglied des afghanischen Parlaments, wurde 2007 eben wegen ihres Engagements aus der Vertretung herausgedrängt und ist inzwischen viermal das Ziel von Mordanschlägen geworden. Malalai Joya forderte einen umgehenden Abzug aller Truppen aus Afghanistan: »Wir stehen zwischen drei Fronten«, sagte sie, »den Warlords, den Taliban und den ausländischen Besatzungstruppen.«

Auch die Grußredner kamen teils von weither: der Friedensaktivist Reuven Moskovitz aus Israel und Attac-Mitbegründerin Susan George aus Frankreich, die wie Konstantin Wecker bereits am Vorabend beim Internationalen Forum der Friedenskonferenz zu hören war. Unisono sahen die Redner die Münchner SiKo als Weichen stellend für künftige Kriegsplanungen an. Das machten auch viele Transparente deutlich: »Sicherheit: Wessen Sicherheit?«

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Referendum in Syrien

    Aufstand in Syrien

    In Syrien haben 89,4 Prozent der Wähler für eine neue Verfassung gestimmt. Allerdings machte bei dem Verfassungsreferendum am Sonntag nur etwas mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten von ihrem Stimmrecht Gebrauch. Die zentrale Neuerung im Verfassungstext ist das Ende der Monopolstellung der Baath-Partei. Mehr

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2 Kommentare zu diesem Artikel

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  • Preussenrot, 06. Feb 2012 15:37

    "Knapp 100 Gruppen usw. haben zur Demo gegen die Sikon in München

    aufgerufen!Was für ein Potential!!
    Na, da wäre es doch effektiver gewesen, sich zu einer Org. bzw. zu einer Partei zusammenzuschliessen.Name : "Anti-Nato-Partei" oder so ähnlich.Dann zur BM-Wahl in München antreten,BM stellen und dann die Veranstaltung der Kriegstreiber verbieten.Oder in ganz Bayern oder in ganz D. zur Wahl antreten, gewinnen und dann seinen Kurs durchsetzen.
    Ach so, das geht nicht, ist unrealistisch!Keine Mehrheit und so ?!

    • Permalink

  • Rotspoon, 06. Feb 2012 18:33

    Na, Klein Fritzchen

    Du machst Dich hier fein lustig üner dies und jenes, aber die Polizei nimmt das nicht so leicht. Komische Welt.

    • Permalink

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