Von Jürgen Vogt, Buenos Aires
07.02.2012

Zankapfel Falkland-Inseln

Das Säbelrasseln 30 Jahre nach dem britisch-argentinischen Krieg geht weiter

Der Hubschrauberpilot der Royal Air Force Prinz William hat jetzt seinen Dienst auf dem Luftwaffenstützpunkt Mount Pleasant angetreten. Mit der sechswöchigen Stationierung der Nummer zwei in der britischen Thronfolge auf den Falklands hat London die mediale Schlacht um die Inseln im Südatlantik erst einmal gewonnen.

Dass Prinz William auf die Inseln kommt, war seit Monaten bekannt. Doch 2012 wird in Großbritannien und Argentinien der 30. Jahrestag der kriegerischen Auseinandersetzung um die Felsen und Schafe im Südatlantik begangen. Da sorgt es auch für Schlagzeilen, wenn London dem Prinzen mit der »HMS Dauntless« ein Kriegsschiff mit 190 Mann Besatzung hinterherschickt und in der Presse gemutmaßt wird, dass auch ein U-Boot in den Südatlantik unterwegs sei. Außenminister William Hague hat es am Sonntag indirekt bestätigt und als Routine heruntergespielt. Argentinien dagegen fühlt sich provoziert. »Großbritannien war immer das Gesicht von Imperialismus und Kolonialismus in aller Welt«, sagte Vizepräsident Amado Boudousagte, und die Malvinas (Falklandinseln) seien eines der letzten Symbole dieser Schande.

Die Inseln liegen rund 400 Kilometer vor der südargentinischen Küste. Die unbewohnte Inselgruppe wurde 1592 von dem Engländer John Davis entdeckt. Die erste Landung erfolgte 1690 durch seinen Landsmann John Strong. Er nannte die Meerenge zwischen den beiden großen Inseln »Falkland Sund«, nach jenem englischen Lord Falkland, der seine Reise finanziert hatte. Der Name Malwinen stammt dagegen von französischen Seefahrern, die die Inseln als Erste besiedelten und sie nach ihrem Heimathafen Saint Malo Îles Malouines nannten. 1769 verkauften die Franzosen ihren Teil der Inseln an Spanien. Die Spanier nannten sie in Anlehnung an den französischen Namen Las Malvinas. 1811 stellten sie den Unterhalt der Kolonie ein, verzichteten aber nicht auf die Souveränität über die Inseln. Seitdem sind sie Gegenstand von Territorialstreitigkeiten, zumal die Inselgruppe seit 1820 auch von Argentinien beansprucht wurde. London errichtete dort 1833 einen Flottenstützpunkt - das Jahr gilt in der argentinischen Geschichtsschreibung als das »der Usurpation der Inseln durch Großbritannien«; 1837 wurde eine Kolonialverwaltung eingerichtet.

Die Inselgruppe umfasst rund 200 einzelne Inseln. Auf den beiden größten leben knapp 3000 Bewohner überwiegend britischer Abstammung und unzählige Schafe. Offiziell gehören die Inseln als britisches Überseegebiet zum Vereinigten Königreich. Heute sind dort über 1500 britische Soldaten stationiert. Denn die Inseln sind weiter Streitobjekt zwischen Großbritannien und Argentinien.

Vor 30 Jahren kam es sogar zu einem Krieg, in dem rund 900 Menschen starben. Am 2. April 1982 waren argentinische Invasionstruppen auf den Inseln gelandet. Mit der Besetzung versuchte die Militärregierung in Buenos Aires, ihre Macht zu retten. Und die Bevölkerung reagierte auch euphorisch auf die Nachricht von der Landung. Die Plaza de Mayo vor dem Präsidentenpalast in Buenos Aires war voll Fahnen schwenkender Menschen, die General Galtieri zujubelten. Den Patriotismus nutzten selbst Menschenrechtsorganisationen mit dem Spruchband »Die Malwinen sind argentinisch - die Verschwundenen auch« für ihr Anliegen. Am 20. Mai begannen dann die britischen Streitkräfte mit der Rückeroberung der Inseln, Premierministerin Margaret Thatcher hatte 5000 Soldaten entsandt. Am 14. Juni 1982 kapitulierte Argentinien schließlich.

Eine erneute kriegerische Auseinandersetzung steht nicht zu befürchten. Nicht nur, weil es für die argentinischen Streitkräfte der erneute Offenbarungseid ihrer militärischen Unterlegenheit bedeuten würde, auch innenpolitisch ließe sich wenig gewinnen. Dass britische Unternehmen im Meeresgrund um die Inseln nach Öl bohren, treibt der argentinischen Regierung jedoch die Zornesröte ins Gesicht. Die Versuche, eine gemeinsame Ausbeutung auf die Beine zu stellen, wurden vor einigen Jahren eingestellt; mutmaßlich, weil die Argentinier technisch und finanziell nicht in der Lage sind, mit den britischen Firmen mitzuhalten, die wiederum noch keine Erfolge vermelden konnten.

Für den 30. Jahrestag hat sich die argentinische Regierung vorgenommen, den nationalen Anspruch auf die Inseln ideologisch von dem militärischen Desaster der Diktatur zu trennen. In der regierungsfreundlichen Zeitung »Página/12« wurde das Vorhaben erläutert: Den Generälen der Diktatur habe die Invasion lediglich dazu gedient, ihre eigene Haut zu retten. Einer demokratischen Regierung müsse es jedoch um etwas anderes gehen: »Bei der nationalen Frage ist das Hoheitsgebiet ebenso wichtig wie die Ökonomie, die Verteidigung des natürlichen Reichtums und der nationalen Interessen.«

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