Im vergangenen Jahr kamen Busse mit Antifaschisten unter anderem aus Schweden, Polen, Österreich und der Schweiz nach Dresden, um gemeinsam mit den Dresdnern und aus der gesamten Bundesrepublik angereisten Blockierern den Naziaufmarsch zu verhindern. Auch zahlreiche Migranten waren darunter. Antifaschismus ist international und muss nicht nur über Alters-, Einkommens- und mögliche Partei- und Weltanschauungsgrenzen hinwegreichen, soll er erfolgreich sein. Auch die Grenze zwischen Mehrheitsgesellschaft und Migranten, die seit 60 Jahren mit sogenannten Integrationsdebatten hartnäckig aufrecht erhalten werden soll, muss aktiv eingerissen werden. Mehr noch, als dies bereits versucht und getan wird.
Im Protest liegt nicht nur die Chance, Nazis oder auch Rechtspopulisten zu zeigen, dass sie hier nicht willkommen sind. Die Zusammenarbeit von Migranten und »deutschen« Antifaschisten könnte auch ein Beispiel für eine inklusive Gesellschaft geben. Eine Gesellschaft, die nicht nur nach Anpassung der Migranten ruft, sondern praktisch demonstriert, dass mit gegenseitiger Anerkennung, einem Zusammenwirken auf Augenhöhe mehr gewonnen ist. In Zukunft sollte es deshalb nicht nur »gemeinsam blockieren« heißen, sondern auch möglichst oft »gemeinsam organisieren«.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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