Mehr Geld in der Lohntüte und trotzdem weniger damit kaufen können? Dieses scheinbare Paradoxon wird jedes Jahr aufs Neue durch die euphemistisch »maßvoll« genannte Lohnpolitik der deutschen Unternehmen aus- und gleich auch wieder aufgelöst. Man verhandelt, streitet und giftet gegen die Gewerkschaften, lässt sich am Ende auf homöopathische Lohnerhöhungen ein und hofft, dass damit alle Forderungen abgegolten sind.Wäre da nicht das Problem, dass die deutschen Arbeitnehmer im vergangenen Jahrzehnt real hohe Lohnverluste hinnehmen mussten. Im Gegensatz übrigens zu vielen europäischen Nachbarländern, deren Beschäftigte im gleichen Zeitraum tatsächlich mehr Geld im Portemonnaie hatten und damit die Preissteigerungen bei Brot, Toilettenpapier oder Heizöl ausgleichen konnten.
Milliardenschwere Wettbewerbsvorteile gegenüber den europäischen Konkurrenten hat diese Lohnpolitik den deutschen Unternehmen in den vergangenen Jahren verschafft. Vorteile, die natürlich um jeden Preis gewahrt werden sollen - auch über die kommenden Jahre. Große Hoffnungen brauchen sich die Gewerkschaften da für die anstehenden Tarifverhandlungen nicht zu machen. Forderungen, die den tatsächlichen Lohnverlust ausgleichen würden - also sich etwa im Rahmen von 15 bis 20 Prozent plus bewegen müssten -, würden einerseits nur Hohngelächter der Firmenbosse auslösen. Andererseits aber endlich die Lohntüten der Arbeitnehmer auch real ein wenig voller machen.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
Preis: 9,95 €
Preis: 120,00 €
Werbung:
Werbung: