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Von Ernst Röhl 07.02.2012 / Flattersatz

Viel Feind', viel Ehr'

Als es den Euro noch gar nicht gab, stand das deutsche Wesen schon hoch im Kurs, sogar in Kreisen des organisierten Verbrechens. Kleiner Scherz von damals: Ein Deutscher, ein Grieche und ein Italiener planen einen Bankraub. Chef des Unternehmens ist unser Landsmann, darum klappt der Bruch auch wie am Schnürchen. Die Drei erbeuten einen großen Haufen großer Scheine, und dann wird brüderlich geteilt: Der Deutsche schnappt sich einen Tausendmark-Schein, schiebt dem Griechen einen Tausenddrachmen-Schein rüber, dem Italiener einen Tausendlire-Schein usw. Begeistert sagt der Grieche zum Italiener: »Du kannst über den Deutschen ja erzählen, was du willst - aber korrekt isser!«

Dieses Expertenurteil bestätigte sich neulich auf dem Euro-Gipfel in Brüssel. Unsere Kanzlerin verkaufte Schuldenbremsen en gros und empfahl wärmstens ihren handgestrickten Fiskalpakt. »Der Fiskalpakt«, sprach sie,« ist eine Meisterleistung!« Doch nicht all ihre Blütenträume sind gereift. Noch macht sie sich Sorgen um das überschuldete Griechenland; denn die Griechen sind extrem beratungsresistent. Schon ihre Babys tanzen aus der Reihe. Wenn die mal müssen, rufen sie nicht »A -A!« sondern »Alpha-Alpha!«

Kein Wunder, dass Angela Merkel mit dem Gedanken spielt, ihnen die Hoheit über ihren Staatshaushalt zu entziehen. Vergangenen Herbst fragte ein besorgter Hellene, wann sie denn aufhören werde, ständig neue Opfer zu verlangen. Historische Antwort der Kanzlerin: »Erst wenn Papandreous Augenringe kleiner sind als meine!« Auch Philipp Rösler, Zuchtmeister einer Zwei-Prozent-Partei, redet Tacheles: »Unsere Geduld mit Griechenland neigt sich deutlich dem Ende zu!«

So ähnlich empfinden wir wohl alle, gell? Warum, fragen wir, will der Grieche nicht so sein wie wir Deutschen? Was hat er gegen deutsche Tugenden wie Bescheidenheit, Pünktlichkeit, Unbestechlichkeit sowie Treu’ und Redlichkeit? Was hat er gegen sinkende Niedriglöhne? Warum sperrt er sich gegen den Spargedanken? Wir meinen es doch nur gut mit ihm, aber natürlich fragen wir auch: Grieche, können wir dir trauen? Er muss doch nicht erschrecken, weil demnächst in Athen ein Sparkommissar die Geschäfte übernimmt, ein Euro-Sheriff für die Wiege der Demokratie, ein Budget-Kommissar, den griechische Spaßvögel feixend als »Gauleiter« bezeichnen. Überhaupt sind gewagte Scherze in Kerneuropa Mode geworden. In Rom nennen sexistische Tenöre unsere Kanzlerin ungestraft »die Fettärschige«, und ein Berlusconi-Blatt zündet Knallschoten um den Kapitän der COSTA CONCORDIA: »Wir haben Schettino, ihr habt Auschwitz!«

Das ist er, der italienische Humor. Ist er das? »Il Giornale« reagierte damit auf den »Spiegel«. Dessen Autor Jan Fleischhauer, stolz, ein Deutscher zu sein, fragte mit rassistischem Ton: »Hat es irgendjemanden überrascht, dass der Unglückskapitän Italiener ist? Kann man sich vorstellen, dass ein solches Manöver inklusive sich anschließender Fahrerflucht auch einem deutschen Schiffsführer unterlaufen wäre?« Es konnte einfach nicht gut gehen, schreibt der Durchblickologe, »verschiedene Kulturen in die Zwangsjacke einer gemeinsamen Währung zu sperren«. Um das zu erkennen, hätte »ein Besuch in Neapel oder auf dem Peloponnes gereicht«.

Solche Besuche lassen sich schon bald nachholen. Dafür ist der Sparkommissar ja da. Und an den Humor der Griechen und Römer wird er sich gewöhnen. In Europa blüht nun mal der Flachs, und was sich neckt, das liebt sich…

Übrigens, kennen Sie den? Deutsche Patrioten sollten bei der Einnahme von Viagra mögliche Risiken und Nebenwirkungen beachten und stets zwei Tabletten auf einmal schlucken. Wer sich mit einer einzigen Pille begnügt, läuft Gefahr, dass bloß der rechte Arm hochschnellt.

So übermütig, lieber Volker Kauder (CDU), spricht man Deutsch in Südeuropa.

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