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Lustig wie im Film

Kommentar von Silvia Ottow

Wenn das Bundesgesundheitsministerium Geld locker machen möchte, um Wohngemeinschaften mit Pflegebedürftigen zu unterstützen, kann man eigentlich nur begeistert sein. Dachte sich jedenfalls der Minister, dem natürlich auch nicht entgangen ist, wie schwer es Menschen fällt, im gebrechlichen Zustand in ein Pflegeheim umzuziehen. So eine kleine Kommune mit lauter lustigen Alten, wie wir sie aus lebensfernen Fernsehfilmen kennen, ist doch eine prima Geschichte. Am Ende verlieben sie sich ineinander, geben Sprachunterricht, bekommen einen Preis für die beste Nachwuchsband oder übernehmen die Kinderbetreuung für die ganze Straße.

An dieser Stelle muss aber leider der Wecker klingeln und Sie aus Ihrem Traum reißen, lieber Bundesgesundheitsminister. Was Pflegebedürftige brauchen, artikulieren sie und ihre Verbände seit Jahren: die Anerkennung ihrer Bedürfnisse aufgrund wissenschaftlicher Kriterien, Zeit für eine menschenwürdige Betreuung und qualifizierte Pflegerinnen und Pfleger - zu Hause und im Heim. Nur wenig davon bekommen sie. In zahlreichen Pflegeheimen herrscht eine Versorgungspraxis, die an Abschiebung erinnert und kaum mehr zu ertragen ist. Heime dienen mehr der Gewinnmaximierung von Konzernen als der Betreuung von Menschen. Abhilfe scheint nicht in Sicht, das versprochene Gesetz und die Neudefinition des Pflegebegriffs lassen auf sich warten.

Stattdessen kommt ein Angebot, das sich nett anhört, nur für wenige Menschen in Frage kommt und die Probleme des größten Teils der Pflegebedürftigen einmal mehr auf die lange Bank schiebt.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • HUT, 08. Feb 2012 08:18

    Gute und rasche Information!

    Ich muss ehrlich gestehen, dass auch ich erfreut war über die jüngste Initiative.
    Nun erst wurde mir bewusst, dass es gar keine ausreichende Lösung ist, sondern nur ein Trost"pflästerchen". Danke, liebe Frau Ottow!
    H-U Tittler

    • Permalink

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26.05.2012 | Marcus Meier

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