Spaniens Presse reagierte entrüstet auf die Entscheidung aus Lausanne. »Der Internationale Sportgerichtshof hat den Verstand verloren«, klagte die Sportzeitung »Marca« und bezeichnete die Zwei-Jahres-Sperre gegen den Radprofi als »skandalösen Handstreich«. Schon während der 18 Monate langen Wartezeit auf das Urteil, das Contador mit seiner kühnen These von einem mit Clenbuterol verseuchten Steak verhindern wollte, hatten vom Verbandschef bis zu Teamkollegen, vom Tennis-Ass bis zum Sportminister alle für Contador Partei ergriffen. »Jämmerlich«, twitterte Tennisprofi Rafael Nadal. Die Sperre sei »kompletter Irrsinn«, schrieb »El Mundo«.
In anderen Ländern wird das Urteil der drei CAS-Richter hingegen als positives Signal gesehen. »Diese Warnung muss nun im Fahrerfeld von jenen erhört werden, die weiterhin gegen die Windrichtung in die Pedale treten«, fand das französische Sportblatt »L'Équipe«.
Die öffentliche Meinung dürfte Contador und sein Team weniger beschäftigen als der drohende Schaden. Die UCI fordert eine Strafe von knapp 2,5 Millionen Euro und darüber hinaus 70 Prozent des Jahreseinkommens des Rundfahrtspezialisten, das auf rund fünf Millionen Euro geschätzt wird. Dazu kommen wohl Preisgelder, die zurückzuzahlen sind - und die Kosten für Contadors Anwälte. Außerdem muss Contadors Team Saxo Bank die Aberkennung des Elitestatus befürchten.
Die UCI wird prüfen, ob die Streichung aller Ergebnisse des Spaniers seit 21. Juli 2010 Folgen für die Equipe von Teamchef Bjarne Riis hat. 68 Prozent der 2011 erzielten Punkte von Saxo Bank gingen auf das Konto Contadors. Ohne diese Zähler »erfüllt das Team nicht mehr die sportlichen Kriterien für die UCI WorldTour«, teilte der Verband mit. dpa
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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