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Von Özlem Yilmazer, dpa 08.02.2012 / Inland

Ganz großes Kino

Das wiederbelebte UT Connewitz in Leipzig wird 100 - dank eines Bürgervereins

Einst zur Müllkippe verkommen, erwecken kulturinteressierte Leipziger ein historisches Kino wieder zu neuem Leben. Das kostet sie viel Kraft. Dieses Jahr feiern sie 100 Jahre Lichtspieltheater UT Connewitz - und sind selbst ein Teil der Kinogeschichte geworden.

Leipzig. Als die späteren Vereinsmitglieder 2001 das Lichtspieltheater nach Jahren wieder betreten, verschlägt ihnen der Anblick den Atem. Das Innere des denkmalgeschützten Kinos in der Leipziger Südvorstadt ist der reinste Müllhaufen.

»Wir waren entsetzt, wir sind ja nicht mal zur Tür reingekommen«, sagt Thomas Noack. Er hatte die Idee, das seit knapp zehn Jahren geschlossene UT Connewitz für ein Straßenfest einen Tag lang zu öffnen. Das im Jahr 1912 gebaute Stadtteilkino musste wegen Besuchermangels schließen.

127 Mitglieder

Viele Bürger packen mit an, das vermüllte Filmtheater für das Fest wieder herzurichten. In fünf Stunden strömen 1800 Menschen in das Lichtspieltheater. Das beeindruckte nicht nur Noack: »Viele Interessierte haben sich gefunden und gesagt: Es darf nicht weiter den Bach runter gehen.« Noch im selben Jahr gründen sie den Verein UT Connewitz, dessen Vorsitzender Noack ist.

Ein ganzes Jahrzehnt ist das her. Im Dezember wird das Kino 100 Jahre alt - der Verein blickt auf einen langen Weg zurück. Der Einsatz für den Erhalt geht auch im Jubiläumsjahr weiter.

Der Verein - heute zählt er 127 Mitglieder - konnte mit Sponsorenhilfe das damals insolvente Kino für 10 000 Euro kaufen. »Das war ein ganz großer Schritt«, sagt Noack. Mit den Einnahmen aus Veranstaltungen wie Konzerten beginnt der Kampf gegen Bauschäden. »Es hat durchs Dach geregnet.« Mit viel ehrenamtlichem Engagement, der Förderung durch die Stadt, Spenden und Sponsoren wurde 2011 viel an Reparatur und Sanierung geleistet. »Wir wollen möglichst konservieren und nicht restaurieren«, sagt Noack und schaut auf die Ädikula aus Holz und Stuck, die die Bildfläche umgibt.

Das Kino ist mit jährlich 220 Veranstaltungen aus Film, Musik und Literatur zur Kulturstätte geworden. »Das ist der Kompromiss. Wir wollen Kino sein, aber mit Kino können wir nicht das Geld erwirtschaften, das wir für den Betrieb des Hauses und den Erhalt aufwenden müssen«, sagt Noack. Viele Stadtteilkinos konnten Multiplex-Häusern und 3D-Filmen nicht standhalten, so auch das »Tivoli Theater« in München oder das Kino »Die Kurbel« im Berliner Stadtteil Charlottenburg. Die »Kurbel« wurde in den 1930ern gebaut. Das erste Tonfilmkino Berlins gibt es seit Ende 2011 nicht mehr. Im Dezember wurden die letzten Kinosessel abmontiert - dort sollte eine Bio-Supermarktkette eröffnen.

»Es gibt ein sehr großes Kinosterben«, sagt Fotografin Silvia Ballhause, die bereits viele Kinos abgelichtet hat und zum Jubiläum auch das UT Connewitz fotografierte. »Es ist für mich eine Art Mission, sie fotografisch festzuhalten, sie so zu bewahren.«

Spenden benötigt

Das UT Connewitz im Süden Leipzigs ist auf Veranstaltungen und Spenden angewiesen. Noack bedauert, nicht institutionell gefördert zu werden. Rita Werner vom Kulturamt der Stadt Leipzig macht dem Kino keine Hoffnungen, das UT Connewitz gehöre nicht zum städtischen Förderungsschwerpunkt. Anders sähe es aus, wenn das Kino im Osten der Stadt wäre, dort gebe es den Bedarf, Kulturangebote zu fördern und auszubauen.

Von der Tatkraft des Vereins ist aber auch Werner beeindruckt und schließt die Unterstützung einzelner Projekte nicht aus. »Das ist eine Einrichtung, die mit sehr viel bürgerlichem Engagement des heutigen Vereins entstanden ist«, sagt sie.

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