»Man wurde von zwei Seiten bedrängt, und die Literatur war von zwei Seiten bedroht - vom staatlichen Zensor und von den Erwartungen des Publikums. Dem Druck des Staates konnte man ausweichen, der war so eindeutig und offensichtlich. Aber da gab es die Gefahr, daß man sich im Widerstand verkrampft und blödsinnig verbeißt […]. Dem Druck des Publikums hingegen konnte man sich kaum entziehen. Die Leser wollten hören, wie ich dem Honecker das Messer in den Leib stoße. Gefragt war nicht nur der kritisch-engagierte, sondern der extrem politische Schriftsteller. Und das ist eine Gefahr für die Literatur. Ein Proust hätte keine Chance in der DDR.«
Christoph Hein
Zitat aus einem überaus interessanten Band: »Literatur ohne Land«, herausgegeben von Janine Ludwig und Mirjam Meuser. Untersucht wird, in welchen Erwartungszusammenhängen sich Autoren in der DDR bewegten, welche Schreibstrategien sich daraus ergaben, inwieweit sich diese im vereinten Deutschland weiterführen ließen und welche Brüche entstanden. Einzelne Kapitel gelten dem Werk von Schriftstellern verschiedener Generationen: Heiner Müller, Christa Wolf, Rainer Kirsch, Ulrich Plenzdorf, Volker Braun, Christoph Hein, Stefan Schütz, Peter Wawerzinek und Annett Gröschner (Fördergemeinschaft wissenschaftlicher Publikationen von Frauen, 288 S., brosch., 29,90 €).
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
Rufe aus dem Osten Thomas Mann in der DDR: Georg Wenzel frischt seine Erinnerungen auf
Vom Träumen, vom Kämpfen Eine Erinnerung: Friedrich Schorlemmer
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