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Von Steffen Schmidt 09.02.2012 / Wirtschaft

Vernetzung mit der Gesellschaft

Wissenschaftsjahr 2012 zur Nachhaltigkeit / Kommunen im Mittelpunkt

Das Wissenschaftsjahr »Zukunftsprojekt Erde« wurde am Mittwoch von Bundesforschungsministerin Annette Schavan und Bundesumweltminister Norbert Röttgen (beide CDU) in Berlin offiziell eröffnet. Anlass für die Themenwahl ist auch das 20. Jubiläum des UN-Gipfels zur nachhaltigen Entwicklung in Rio de Janeiro.

Auffällig war das Fehlen von zwei Ministern, die für das Thema Nachhaltigkeit eigentlich unentbehrlich sind: Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP), zuständig für Technologieförderung, und der Bundesminister für verkehr, Bau und Stadtentwicklung, Peter Ramsauer (CSU), glänzten bei der Eröffnung des Wissenschaftsjahrs durch Abwesenheit. Ramsauer war kurzfristig durch einen Ausschusstermin im Bundestag verhindert. Sein Ministerium ist jedoch am Programm des dem nachhaltigen Umbau unserer Gesellschaft gewidmeten Wissenschaftsjahrs beteiligt.

Der Schatten Röslers tauchte in den Fragen der Journalisten bei der Eröffnungspressekonferenz auf: Die wollten von Umweltminister Röttgen nämlich auch wissen, wie er sich den nachhaltigen Stadtumbau vorstellt angesichts des Streits mit seinem FDP-Kollegen um die Förderung der energetischen Gebäudesanierung. Röttgen erklärte das Problem für gelöst. Der Bundestag habe den Wiedereinstieg in die steuerliche Förderung beschlossen, einzig die rot-grün regierten Bundesländer würden noch blockieren, weil sie sich nicht an den Kosten des Programms beteiligen wollten.

Die Forschungsministerin sah auch keinen Widerspruch ihrer Politik zu der in der letzten Woche vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) erhobenen Forderung, stärker in disziplinübergreifende Forschungsprojekte zur Nachhaltigkeit zu investieren. Über die vom BUND ins Gespräch gebrachte Summe von einer Milliarde Euro durch Umschichtungen in ihrem Etat ging sie allerdings lächelnd hinweg.

Die Städte, wo zwei Drittel der Bundesbürger leben, sind entscheidende Akteure für die Entwicklung einer nachhaltigen Lebensweise. Folgerichtig startete das Wissenschaftsjahr denn auch mit der Eröffnungsveranstaltung der Initiative »ZukunftsWerkStadt«. Hans-Jörg Bullinger, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, erinnerte daran, dass für viele Probleme die technischen Lösungen längst existieren, seien es Isolierungsmaterialien, Energiesysteme oder effiziente Verkehrsmittel. Woran es fehle, sei die Vernetzung all dieser Forschungsergebnisse und die Umsetzung in die Praxis. Was in deutschen Städten funktioniert - so Bullinger -, könne auch in den Megastädten der Welt, wo im Jahre 2030 voraussichtlich zwei Drittel der Menschheit leben wird, eingesetzt werden.

Das Wissenschaftsjahr will Kommunen und Forscher auf diesem Wege zusammenbringen: »Forschung und Wissenschaft sind der Schlüssel für die nachhaltige Entwicklung von Städten und Gemeinden. Wissenschaftler aus Universitäten und Forschungsinstituten werden die Bürger als Partner dabei unterstützen, ihre Gemeinden nachhaltig zu gestalten«, sagte Schavan.

Das Wissenschaftsjahr »Zukunftsprojekt Erde« soll auch zu einer stärkeren Verzahnung von Gesellschaftswissenschaften und technischen Innovationen führen. Da gibt es noch erheblichen Nachholbedarf, wie die Debatten einer Tagung des Verbunds für Nachhaltige Wissenschaft am Montag belegten. Dort wurde unter anderem bemängelt, dass es nach wie vor sehr schwierig sei, mit interdisziplinären Forschungsprojekten im deutschen Wissenschaftssystem Karriere zu machen. Auch dadurch wandern Forscher ab.


Wissenschaftsjahr

Die Wissenschaftsjahre werden seit dem Jahr 2000 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Initiative »Wissenschaft im Dialog« veranstaltet, um den Dialog zwischen Forschung und Gesellschaft zu verbessern. Waren die Wissenschaftsjahre anfangs noch einzelnen Fächern oder Fächergruppen gewidmet, stehen inzwischen Querschnittsthemen wie Energie (2010), Gesundheit (2011) und Nachhaltigkeit (2012) im Zentrum. Zum Programm 2012 gehören Veranstaltungen mit Forschern, der Wissenschaftssommer in Lübeck sowie die Rundfahrt des Ausstellungsschiffs MS Wissenschaft. StS

Informationen im Internet: www.zukunftsprojekt-erde.de

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • Rotspoon, 09. Feb 2012 00:54

    Es wird schon werden

    Sind Gesellschaftswissenschaften (GEWI) und technische Innovationen erst einmal verzahnt und vernetzt, erobert die Nachhaltigkeit im zweiten Anlauf erfolgreich Gemeinden und Kommunen. Dort kann sie dann die alte Oma Agenda 21 nachhaltig in ihre Arme schließen. Wie sagte doch schon unser E. H.: Die Nachhaltigkeit in ihrem Lauf hält weder Ochs noch Esel auf.

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