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Nachricht vom Staatschef

Kommentar von Wolfgang Hübner

Endlich mal eine gute Nachricht vom Staatsoberhaupt: Es lässt, weil der Winter so streng ist, eine Flüchtlingsfamilie vom Balkan in einem Gebäude seiner Sommerresidenz wohnen. Und überhaupt, erfährt man bei der Gelegenheit, lebt die vierköpfige Familie schon seit 2009 auf dem Anwesen. So viel Barmherzigkeit!

Allerdings spielt das Ganze nicht in Deutschland. Der Wohltäter ist nicht Christian Wulff, sondern Albert II., Belgiens König. Wulffs Berater und Pressearbeiter, die seit Wochen fieberhaft darüber nachdenken, wie sie ihren Chef in ein besseres Licht rücken können, werden es registriert haben. Der Ruf ist zwar ramponiert, aber ganz ungeniert lebt sich's eben doch nicht im Schloss Bellevue. Die belgische Anregung wird man dennoch nicht aufgreifen. Wulff als mildtätiger Herbergsvater - das nähme ihm niemand mehr ab. Obwohl er vor Peinlichkeiten kaum zurückschreckt, wie sein kürzlich zelebrierter Billigurlaub in Thüringen zeigte.

Apropos Peinlichkeit: Allzu spendabel ist Albert II. auch wieder nicht. Zwar verlangt er keine Miete, aber Strom- und Wasserkosten für die vier Flüchtlinge soll die Gemeinde bezahlen. Auch ein Monarch muss eben sehen, wo er bleibt.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Affäre um Bundespräsident Christian Wulff

    Ein umstrittener Privatkredit, sein Umgang mit den Medien und nun der Verdacht auf Vorteilsannahme. Bundespräsident Christian Wulff hat am 17. Februar seinen Rücktritt erklärt, nachdem die Staatsanwaltschaft die Aufhebung der Immunität Wullfs beantragt hat. Sie will wegen des Anfangsverdachts der Vorteilsannahme und Vorteilsgewährung gegen das Staatsoberhaupt ermitteln.


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26.05.2012 | Marcus Meier

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