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Von Anke Stefan, Athen
10.02.2012

Athen beugt sich der Troika

Regierung beschließt Sparpaket / Generalstreik heute und morgen

Die Regierungsparteien in Griechenland haben sich auf ein neues Sparpaket geeinigt - kurz vor den Beratungen der Eurogruppe über ein zweites Hilfspaket für das hoch verschuldete Land.

Brüssel, Frankfurt und Washington fordern, Athen liefert. Nicht umstands- und reibungslos, aber letztlich beugt sich Athen seit Krisenbeginn im Herbst 2009 dem Druck der Troika EU, IWF und Europäische Zentralbank.

Griechenlands Ministerpräsident Lucas Papademos hat die Einigung der Parteispitzen auf das neue Sparprogramm bestätigt. »Die Verhandlungen wurden erfolgreich abgeschlossen. Es gibt angesichts der Sitzung der Eurogruppe eine Einigung«, sagte eine Sprecherin des Regierungschefs am Donnerstag. Es blieb aber offen, woher die fehlenden 300 Millionen Euro des verlangten Sparvolumens kommen sollen. Dafür waren Rentenkürzungen vorgesehen und darüber konnten sich die Vorsitzenden der Regierungsparteien während ihrer Sitzung am Mittwoch nicht einigen. Über alle anderen Forderungen der Troika als Voraussetzung für ein 130-Milliarden-Hilfspaket wurde Übereinstimmung erzielt: Der Brutto-Mindestlohn wird von 751 auf 586 Euro, das Arbeitslosengeld von 461 auf 323 Euro im Monat gesenkt. 150 000 Staatsbedienstete werden bis 2015 schrittweise entlassen, alle Branchentarifverträge schrittweise durch den niedrigeren griechenlandweiten Tarifvertrag ersetzt und alle Löhne bis mindestens Ende 2014 eingefroren. In der Koalition, die sich darauf einigte, sitzen die sozialdemokratische PASOK, die konservative Nea Dimokratia und die rechtsextreme LAOS.

Finanzminister Evangelos Venizelos reiste gestern nach Brüssel, um dort die Zustimmung seiner Kollegen in der Eurogruppe für das neue Abkommen einzuholen. Dessen Grundzüge sollen im Eilverfahren bereits Sonntagabend im griechischen Parlament verabschiedet, die konkreten einzelnen Maßnahmen jedoch erst später als Gesetzeserweiterungen eingebracht werden.

Die Regierungskoalition verfügt über 252 der 300 Abgeordneten im griechischen Parlament. Einzelne ihrer Parlamentarier haben bereits angekündigt, die neuen Maßnahmen nicht mitzutragen. Auch die linke Opposition aus Kommunistischer Partei Griechenlands, dem Linksbündnis SYRIZA und der Partei der Demokratischen Linken wird dem Abkommen ihre Stimme verweigern.

Die Gewerkschaftsdachverbände GSEE (private Wirtschaft) und ADEDY (öffentlicher Dienst) reagierten mit dem Ausruf eines zweitägigen Generalstreiks für Freitag und Samstag. Nach dem Ausstand am Dienstag ist dies damit der zweite gegen die neuen Einschnitte. Bereits für Donnerstagabend rief die kommunistisch orientierte Gewerkschaftsfront PAME zusätzlich zu Demonstrationen in 44 Städten des Landes auf, Basisgewerkschaften und das Linksbündnis SYRIZA mobilisieren zu Kundgebungen in Athen und Thessaloniki. Für Sonntag, den Tag der Abstimmung, sind Protestdemonstrationen vor dem Parlament geplant.

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • Griechenland vor dem Staatsbankrott

    Griechenland befindet sich am Rande des Staatsbankrotts. Der Ausstieg aus dem Euro droht wie ein Damoklesschwert. Unter dem Druck von EU und IWF baut der griechische Staat kontinuierlich Sozialleistungen ab. Hunderttausende demonstrieren immer wieder dagegen.

3 Kommentare

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  • preilboxer / 10. Feb 2012 09:46

    Ein Land ohne Perspektiven für eine sichere Zukunft...

    Das Spiel mit den Menschen dieser leidgeprüften Nation hat begonnen. Nachdem sich die Banken, wie so oft, wunde Finger verdient haben, beginnt nun das große Abstrafen durch die Politik der Okkupanten. Der Eingriff in die inneren Angelegenheiten Griechenlands ist an Grausamkeit kaum noch zu überbieten. Renten- und Gehaltskürzungen unterhalb dessen was der Mensch zum Leben benötigt, ist schlichtweg schamlos. Massenentlassungen treffen die Mittelschicht, hier wird mit Bundesdeutscher Hilfe ein Staatssystem auf Jahrzehnte zerschlagen. Es ist nach wie vor die Geisteshaltung und der Glaube, insbesondere auch der Deutschen Politiker, wirtschaftliches Wachstums wird alles richten, nein so ist es leider nicht. Es wird abgeschöpft so lange es irgend geht, anschließend wird weiter gezogen, um neue Märkte erschließen zu können. Profit erwächst auch in unserem Land nicht aus sozialer Verantwortung, sondern nur aus skrupelloser Habgier. Denn den es trifft, der liegt erst mal am Boden und soll zufrieden sein, dass keiner Nachtritt. Wenn skrupelloses Wirtschaften, Moral, Ethik, Glauben und die Lebensperspektiven der Menschen ersetzen soll, werden sich Kriege und Hass, nicht nur in den Köpfen der Menschen weiter tragen, es wird auf jeden Fall der Glaube an ein vereintes Europa erneut zerstört. Ich hoffe, dass unsere Bundeskanzlerin dies auch weiß und sie sich nicht zur Handlangerin habgieriger Bänker und Wirtschaftsgrößen macht. Wie hieß es vor der Wende so schön, wir sind das Volk...

  • Bernd.Kudanek / 10. Feb 2012 10:25

    Re: Ein Land ohne Perspektiven für eine sichere Zukunft...

    "Ich hoffe, dass unsere Bundeskanzlerin dies auch weiß und sie sich nicht zur Handlangerin habgieriger Bänker und Wirtschaftsgrößen macht."

    ... dieser Satz läßt mich zweifeln, ob die davor geschriebenen vom gleichen Autor stammen oder er ist als bitterböse Schluß-Satire gemeint und ich hab's bloß nicht begriffen
    ... bezüglich Merkozy und Griechenland hat der begnadete Karikaturist Klaus Stuttmann unter www.tagesspiegel.de/images/schnellerts/6185568/2.jpg?format=format35 den Sachverhalt treffsicher dargestellt
    ... Stuttmanns fast immer gelungenen Karikaturen entschädigen für die Zumutungen der zumeist ebenso miserablen wie deplazierten ND-Strichbildchen - besser wär's, die ND-Reda würde die dümmlichen Kritzeleien endlich ganz weglassen :-(

  • Berndchen / 10. Feb 2012 11:59

    Re: Re: Ein Land ohne Perspektiven für eine sichere Zukunft...

    Der Satz sollte vielleicht lauten:
    ...dass unsere Bundeskanzlerin als Handlangerin habgieriger Bänker und Wirtschaftsgrößen weiß, wie sie es drehen muss, dass sie bei den nächsten Wahlen trotzdem wiedergewählt wird. (Wobei ich PREILBOXER nicht unterstellen mag, dass er das hofft...)

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