Sprungmarken: Inhalt, Navigation.
neues-deutschland.de: Blogs
Charlotte Noblet 10.02.2012 / Berlinale

Königlich kulinarisch!

»Das Volk will nicht nur Brot sondern auch die Macht«, staunt der französischen König Ludwig der XVI. Der Kostümfilm »Leb wohl, meine Königin!« von Benoît Jacquot über das Verhalten der Königin Marie-Antoinette und des Hofs im Schloss Versailles bei den Unruhen im Juli 1789 entspricht dem Zeitgeist: Ende einer Epoche.
Als Fan von solchen Momenten erklärte sich gestern bei der Pressekonferenz der französische Regisseur: »Alle Enden einer Epoche sehen ähnlich aus: Die Mächtigen klammern sich an der Macht fest, als ob es Ihnen nötig wäre.« Auch die deutsche Schauspielerin Diane Kruger (Marie-Antoinette) sagte: »Die Geschichte zeigt, dass die Personen an der Macht nach wie vor die gleichen Fehler machen«.

Von daher scheint die Ambition des Regisseurs legitim: »Mit einem Epochenfilm kann man was aus der Vergangenheit lernen und damit die heutige Welt besser verstehen.« Der Zuschauer sollte nur noch glauben können, dass alles im Versailles des 18. Jahrhunderts stattfindet. Dies fällt im Film sehr schwer... obwohl der Drebuchautor sich große Mühe damit gegeben hat: »Internetrecherchen haben mir sehr geholfen«, erzählte Gilles Taurand. »So konnte ich zum Beispiel über Internet erfahren, was die Hofleute gegen Mückenstiche verwendt haben: Rosenholzöl.«

Hat der Drebuchautor sich über das Essen in Versailles auch schlau gemacht?


Im Film bekommt der alte Moreau, Frankreichs Historiograf und Bibliothekar von Marie-Antoinette, zum Abendessen Königinpasteten - »bouchée à la reine« auf französisch. Sie sehen genau so modern ... welch ein Anachronismus! Zu den runden mit Ragout gefüllten Pasteten aus Blätterteig sagt aber das Internet, sie sollten eine Erfindung eines der bedeutendsten Köche Frankreichs sein und zwar Marie-Antoine Carême. Allerdings soll der erst im Jahr 1784 geboren worden sein... Also, rein kulinarisches Kino?!

Mehr über den Eröffnungsfilm in der Rubrik »Feuilleton«: Hintertreppe der Revolution

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

  • 62. Berlinale

    Dieter Kosslick, Chef der 62. Berlinale, die vom 9. - 19. Februa...

    Vom 9. bis 19. Februar war in Berlin die 62. Berlinale zu erleben. Bis zum 19. Februar wurden rund 400 Werke aus aller Welt gezeigt. Im Wettbewerb der Berlinale konkurrierten acht Filme um den Goldenen und mehrere Silberne Bären. Filmquiz ist beendet, wir haben die Rätsel aufgelöst. Mehr

Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Kommentare zu diesem Artikel

Kommentar schreiben (Login erforderlich)
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Ihre Meinung zu diesem Artikel

Unsere aktuellen Blogs

  • Eine Zukunft ohne NATO

    Eine Zukunft ohne NATO

    Von dem Supergipfel, der ursprünglich als gemeinsames NATO- und G8-Treffen in Chicago geplant war, nahm die US-Regierung schnell wieder Abstand.
    Die Proteste wären wohl aus dem Ruder gelaufen. An diesem Wochenende tagen die Vertreter der G8-Länder in einer militärisch abgeschirmten Sperrzone in Camp David in der Nähe der US-Hauptstadt. Die NATO-Strategen halten dagegen Chicago in Atem. Von dort berichtet Max Böhnel über die internationale Gegenkonferenz namens „NATO Free Future“, zu der auch Vertreter der deutschen Friedensbewegung anreisen. Am Sonntag soll als Höhepunkt gegen den Willen von Stadtverwaltung und Polizei eine Grossdemonstration gegen das Militärbündnis stattfinden.

  • Linke und Technik...!

    Linke und Technik...! Foto: dpa

    Blog von Marcus Meier: Welche Chancen erwachsen aus technischen Innovationen - für eine soziale und umweltfreundliche Gesellschaft, für mehr Demokratie, für ein rationaleres Wirtschaftssystem? Wo verhindern kapitalistische Mechanismen den technischen Fortschritt oder den fortschrittlichen Technikgebrauch? Wie, wo und warum generiert der Kapitalismus schlicht Fortschrott? Das sind die Fragen, die das neue nd-Weblog "Linke und Technik..! Fortschritt, Fortschrott und die Folgen " beantworten will. Autor Marcus Meier ist übrigens beides: Technikfreund und Technikskeptiker.

  • In eigener Sache

    neues deutschland

    Hausblog: Aus dem nd über das nd: In unserem Hausblog halten wir Sie über alles berichtenswerte aus Redaktion und Verlag auf dem Laufenden.

Unsere Blogger:

  • Marcus Meier

    Marcus Meier ist Journalist und arbeitet zu den Themen Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. Für das nd schreibt er seit Oktober 2009 regelmäßig – und meist zu NRW-Themen. Meier betreibt Das SPRUSKO-Prinzip, ein Weblog »zur Kritik des Ramsch-Kapitalismus«. Er lebt und arbeitet in Bochum. Seine Webseite: www.marcusmeier.de.

    Er ist beteiligt an folgenden Blogs:

  • Max Böhnel

    Max Böhnel lebt seit dreizehn Jahren in der Nähe von New York und berichtet als freier Journalist für deutschsprachige Radiosender, Print- und Internetmedien, unter anderem auch für nd.

    Er ist beteiligt an folgenden Blogs:

Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.
Sprungmarken: Seitenanfang, Navigation.

Werbung:

Werbung:

Sprungmarken: Seitenanfang.