Die Sonne lachte über dem Altenberger Kohlgrund, und mit ihr lachten bei frostigen Temperaturen die beiden österreichischen Brüder Andreas und Wolfgang Linger um die Wette. Denn das favorisierte Doppelsitzer-Gespann aus Hall in Tirol schnappte zum Auftakt der 43. Rodel-WM dem Gastgeber das erhoffte WM-Gold weg. Der Traum vom goldenen Durchmarsch in Altenberg, den Bundestrainer Norbert Loch mit »vier Siegen in vier Entscheidungen« formuliert hatte, ist somit nicht mehr zu verwirklichen.
Die zweifachen Olympiasieger feierten mit ihrem überlegenen Triumph 0,22 Sekunden vor dem deutschen Überraschungsduo Toni Eggert und Sascha Benecken ihren dritten WM-Titel nach 2003 und 2011. »Auf einer deutschen Bahn den Deutschen, die anerkanntermaßen die Weltrodelnation Nummer 1 sind, den Sieg weggeschnappt zu haben, ist das Sahnehäubchen und uns eine Genugtuung«, meinte der 30-jährige Andreas Linger und gönnte sich mit seinem ein Jahr jüngeren Bruder Wolfgang spontan ein üppiges Bier.
Schon im ersten Lauf hatten die beiden eine Bestzeit vorgelegt, die sie im zweiten Durchgang sogar noch unterboten. »Es hat sich ausgezahlt, dass wir in letzter Zeit unheimlich an unserer Starttechnik gefeilt haben«, ergänzte der Jüngere. Gerade der Start ist auf einer so kurzen und für Doppelsitzer auch ungemein schwierigen Bahn, wie hier in Altenberg, besonders wichtig. Aber das hat diesmal auf den Punkt geklappt. Außerdem hatten wir einen superschnellen Schlitten.« Nun peilen die beiden Österreicher für Sotschi 2014 ihr drittes Olympiagold an.
Was danach kommt? »Das werden wir entscheiden je nach Erfolg oder Misserfolg bei Olympia«, blickte Schlittenchef Andreas vorsichtig über Olympia hinaus, sagte aber auch: »Unsere Erfolgsdevise lautete schon immer: Geht nicht - gibt's nicht! Solange uns das Schlittenfahren solchen Spaß macht, ist weiter mit uns zu rechnen. Wenn wir uns gegenseitig so gut im Training pushen, gibt es keinen Grund aufzuhören.«
Dem mit fast schon überspannten Erwartungen in die WM gestarteten deutschen Gastgeber blieb am Ende »nur« eine Medaille - ausgerechnet durch die Oberhofer Außenseiter Toni Eggert und Sascha Benecken. »Für uns ist das Silber Gold wert«, meinte Eggert, »denn das hatte man uns so nicht zugetraut. Außerdem hatte ich die ganze Woche mit einer Erkältung zu kämpfen.« Glücklich waren die beiden Youngster - Eggert ist 23 Jahre alt, Benecken wird in vier Tagen 22 -, dass sie mittlerweile zwei konstante Läufe zu Tal brachten. Diesmal kamen sie in beiden auf die drittschnellste Zeit und profitierten von der schwachen zweiten Fahrt des deutschen Spitzenduos Tobias Arlt und Tobias Wendl, das sich danach schnell verzog.
Bundestrainer Norbert Loch wollte seine Enttäuschung darüber nicht verhehlen: »Sie haben schwere Fahrfehler gemacht, aber so etwas passiert schon mal. Wir haben das erhoffte Gold verloren, aber Silber durch ein überragendes junges Duo gewonnen. Das wird uns weiter motivieren für die nächsten WM-Tage.«
1. Linger/Linger 1:23,444 min (Österreich)
2. Eggert/Benecken + 0,220 s (Friedrichroda/Suhl)
3. Penz/Fischler (Österreich) + 0,232
4. Wendl/Arlt + 0,239 (Berchtesgaden/Königssee)
16. Pietrasik/Weise + 1,136 (Altenberg/Oberwiesenthal)
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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