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Von Charlotte Noblet 12.02.2012 / Berlinale

"Kuma": Zweitfrau hinter einer Fassade

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Nihal Koldaş (l.) und Begüm Akkaya (r.) spielen die zwei Frauen von Mustafa.
Ihr türkisches Dorf feiert fröhlich ihre Hochzeit mit dem schönen Hasan. Die junge Ayşe wird aber Zweitfrau dessen Vaters Mustafa, kommt daraufhin in Wien bei ihrer Schwiergerfamilie unter.

Peu à peu entkennt Ayşe, in welcher Situation sie steckt. Sie fühlt sich von den Geheimnissen ihrer Schwiegerfamilie immer mehr gefangen, ihre einfache Erziehung hilft ihr aber leider nicht, sich von den archaischen muslimischen Traditionen der Familie zu befreien.

Der ganze Film spielt quasi in der Wohnung der Familie und im türkischen Supermarkt statt, wo Ayşe arbeiten muss. Dadurch wirkt ihr Mikrokosmos noch enger.

Faszinierend ist das Spiel der ersten Frau Mustafas, Mutter von Hasan und seiner Geschwister. Sie wünscht sich Harmonie in der Familie, ist die treibende Kraft der Traditionen und führt damit die Familienmitglieder ins Unglück.

"Natürlich ist ein solches Verhältnis der ersten Frau nicht die Norm", sagte der Regisseur Umut Dağ nach der Premiere. "Auch die Tradition mit der Zweitfrau gibt es nicht in jeder türkischen Familie. Vor allem nicht in Wien." Das Publikum lacht. Eine Dame fragt, wie es aber in der Türkei damit aussieht. Laut Regisseur spricht das Parlament in der Türkei von 160 000 Zweitfrauen. Es seien seiner Meinung nach aber deutlich mehr.
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Von l. nach r.: Umut Dağ, Begüm Akkaya, Nihal Koldaş, Alev Irmak.

"Es gibt viele Frauen aus dem Land in der Situation von Ayşe", sagt die Schauspielerin Begüm Akkaya, die die Rolle der Zweitfrau spielte. "Sie sehen Europa wie ein schönes Schloß und denken nicht nach. Dann werden sie von der Situation überfordert." Alev Irmak, ihre ältere Schwägerin im Film, ergänzt auf Deutsch: "Ich kenne viele Frauen, die zwischen Traditionen und eigener Freiheit ihren Weg finden müssen. Mehrere bauen sich zwei Identitäten, eine zu Hause und eine in der Schule. Meistens nehmen sie vieles hin und suchen kleine Auswege hier und da."

Schön ist es, so eine Dramaturgie von einem deutschtürkischen bzw. kurdischen Team geliefert zu bekommen. Clichés bekommen damit einen anderen Klang, die große Emotionalität im Film wird leichter aufgenommen. Interessanter wird noch, wenn der österreichische Film in die Türkei gezeigt wird. Das hofft der Regisseur Umut Dağ sehr.

Der Film ist Panorama-Eröffnungsfilm bei der Berlinale:
https://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20121802.pdf

Interview mit dem Regisseur Umut Dağ auf RadioEins:
http://www.youtube.com/watch?v=uBwfOmcovfo

Dieser Artikel gehört zu folgenden Dossiers:

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