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Von Gerhard Dilger, Porto Alegre 13.02.2012 / Ausland

Gute Aussichten für den Karneval in Rio

Die Protestbewegung der brasilianischen Polizisten wird schwächer

In Brasiliens Karnevalshochburgen Salvador da Bahia und Rio de Janeiro hat sich am Wochenende die Stimmung merklich entspannt: In Salvador beendeten die Militärpolizisten am Samstag ihren zwölftägigen Streik, in Rio kommt er nicht richtig in Gang.

Karnevalisten und Touristen dürfen aufatmen: Die Umzüge in einer Woche, zu deren Schutz bereits Tausende Soldaten mobilisiert worden waren, dürften wie geplant über die Bühne gehen. »Als Zeichen des Respekts für die Bevölkerung, die uns unterstützt hat, nehmen wir die Arbeit wieder auf«, sagte Ivan Leite, einer der Sprecher der Protestierenden in Salvador. Die Verhandlungen mit der Regierung des Bundesstaats Bahia gingen jedoch weiter, da die Polizisten ihre Ziele noch nicht erreicht hätten. Bislang wurde ihnen nur eine rückwirkende Lohnerhöhung von 6,5 Prozent gewährt.

In Rio de Janeiro scherte die Zivilpolizei aus der Streikfront aus. »Es ist schwer, an den Erfolg zu glauben, wenn die Leute nicht mitmachen«, erklärte ihr Sprecher Francisco Chao. Offiziell befinden sich Polizisten und Feuerwehrleute aber noch im Ausstand.

Sie fordern eine Verdreifachung ihres monatlichen Mindestlohns auf umgerechnet 1540 Euro. Ihre Löhne gehören zu den niedrigsten in ganz Brasilien. Nach der Streikerklärung am Donnerstagabend hatten die Behörden den Druck erhöht: 17 Polizisten wurden festgenommen, Dutzende angezeigt. Bekannte Sprecher waren schon zuvor verhaftet worden.

In Salvador hatten Hunderte Militärpolizisten zehn Tage lang das Abgeordnetenhaus besetzt. Busse wurden in Brand gesteckt, die Mordrate verdoppelte sich.

Präsidentin Dilma Rousseff kritisierte die Auswüchse der Proteste in Bahia und lehnte eine Begnadigung von Streikführern ab. »Für Straftaten darf es keine Amnestie geben«, sagte die Staatschefin. »Sonst werden wir ein Land ohne Spielregeln«.

Polizisten dürfen sich in Brasilien nicht gewerkschaftlich organisieren, geschweige denn streiken. Deshalb haben sie sich in oftmals konkurrierende »Vereinigungen« zusammengeschlossen, über die die Proteste koordiniert werden.

Unterbezahlte und korrupte Polizisten tragen zur wuchernden Gewaltkriminalität in Brasilien ebenso bei wie ein träges, ineffizientes Justizsystem. Jedes Jahr werden rund 50 000 Menschen ermordet. Die Gewalt trifft vor allem die Armen: Drei von vier Todesopfern sind Afrobrasilianer.

Die innere Sicherheit ist vor allem Sache der Bundesstaaten. Dabei sind die regionalen Unterschiede enorm: Während die Mordrate in Rio im vergangenen Jahrzehnt um 43 und in São Paulo sogar um 63 Prozent zurückging, verdreifachte sie sich in Bahia und anderen Staaten des Nordostens. Dabei haben gerade dort Wirtschaftswachstum und Sozialprogramme zu einem deutlichen Rückgang der Armut geführt.

Die Krise zeige strukturelle Mängel des brasilianischen Rechtsstaats und der Sicherheitspolitik, urteilen Experten. Die Soziologin Ivone Freire Costa wünscht sich mehr Engagement aus Brasília, etwa bei der Ausbildung der Polizisten. Sonst könne sich bei der Fußball-WM 2014 das jetzige Szenario wiederholen.

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • OBJZ, 13. Feb 2012 04:31

    Auch Karneval dient fuer die versteckten Propagandangriffe der NATO "Journalisten"?

    Ja selbst auch ein Bericht in Bezug zum Karneval dient doch zumindest zur einer Aussage gegen die Regierung in Brasilia - wo die anti-NATO Regierung der linken Praesidentin wirkt. Was kann man schon erwarten von einem Journalisten welcher 1992 bis 1997 in Kolumbien "wirkte" und dann von "El Tiempo" 1998 nach Hamburg geschickt wurde: Die Besitzer von "El Tiempo" haetten doch schwerlich einen wirklichen "Linken" angestellt: Die Inhaber von "El Tiempo" sind die Familie Santos - die fuehrende Oligarchenfamilie in Kolumbien seit 1915. Juan Manuel Santos war Verteidigungsminister unter Praesident Uribe und ist verantwortlich fuer den Angriff in Ecuador auf den FARC Kommandeur Reyes, waehrend sein Vetter - Eduardo Santos als Vize-Praesident Uribes wirkte - und jetzt beschuldigt wird als Organisator einer "Paramilitar"-Bande. ---Und ja, der selbe "Journalist" wirkt gerade jetzt anfeuerend fuer die Propagandashow gegen Brasiliens Entwicklungsprojekt Belo Monte- in Berlin. --- Wer ist das wirklich und fuer wen wirkt er ? Lateinamerika wimmelt voll "deutschen Journalisten" ueber welche man sich Gedanken macht...oder soll man weiter schlafen ?

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