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Von Oliver Lüthi, San José
14.02.2012

Politische Gräben um die zweitgrößte Kupfermine der Welt

Panamas Indigene wehren sich gegen Pläne der Regierung Martinelli zur Ausweitung des Bergbaus

Der Streit um eine Kupfermine in der Region der indigenen Ngöbe-Buglé hat in Panama eine tiefe politische Krise hervorgerufen. Die Regierung verspricht sich Milliardengewinne vom Abbau der Bodenschätze, während die Ureinwohner jeglichen Eingriff in ihr Hoheitsgebiet ablehnen.

Feuer im Rathaus, der Polizei- und der Feuerwehrstation gelegt von 500 wütenden Ureinwohnern. Vor einer Woche erreichten die Proteste der Ngöbe-Buglé gegen Bergbauprojekte im Westen Panamas ihren bisherigen Höhepunkt. Mit dem Versuch, die Gesetzgebung für Minen zu ändern, hat die Regierung in diesen Wochen den Widerstand der größten indigenen Gruppe des Landes hervorgerufen.

Vertreter der Ngöbe-Buglé blockierten bereits Anfang Februar tagelang die Schnellstraße Panamericana, um gegen die Streichung eines Artikels aus dem neuen Gesetz zu protestieren, welcher die Nutzung natürlicher Ressourcen in deren Provinz verbietet. Die Proteste dehnten sich in der Folge auch auf andere Gebiete des Landes aus, woraufhin sich der konservative Regierungschef Ricardo Martinelli bereit erklärte, den umstrittenen Paragrafen neu zu verhandeln.

Panama bezieht seine Einkünfte traditionell aus dem Geschäft mit dem Panamakanal, den zahlreichen Freihandelszonen und dem bedeutenden internationalen Bankensektor des Landes. In den letzten Jahren allerdings hat die Regierung immer stärker ein Auge auf die natürlichen Ressourcen des Landes geworfen. Deren Nutzung verspricht Milliardengewinne und führt gleichzeitig zunehmend zu Konflikten zwischen der Regierung und verschiedenen sozialen Gruppierungen des Landes.

Nicht zum ersten Mal kam es nun zu Auseinandersetzungen zwischen den Ngöbe-Buglé und der Regierung. Bereits zweifach hatte die Regierung Martinelli versucht, den Zugang für ausländische Großunternehmen zu den Bodenschätzen im größten Indigenengebiet Panamas zu erleichtern. Die Regierung hat vor allem die Mine Cerro Colorado im Visier. Es handelt sich dabei um die zweitgrößte Kupfermine der Welt, an deren Ausbeutung ein südkoreanisches Unternehmen interessiert ist. Neben der Zulassung ausländischer Investoren zielt die Regierung Panamas mit der Änderung der geltenden Gesetzgebung insbesondere auf eine Verbesserung der eigenen Einkünfte aus dem Geschäft mit den Bodenschätzen.

Der Konflikt um die Mine Cerro Colorado verdeutlicht exemplarisch das Entwicklungsdilemma Panamas. Dessen wirtschaftliche Wachstumsraten gehören seit Jahren zu den höchsten Lateinamerikas. Gleichzeitig lebt weiterhin ein bedeutender Teil der Bevölkerung des Landes in Armut und die Einkommensunterschiede gehören zu den größten in der Region. So hat das Land in den vergangenen Wochen vor allem mit sozialen Protesten wegen des völlig defizitären Gesundheitssystems und der ständig steigenden Lebenshaltungskosten von sich reden gemacht. Die Provinz Ngöbe-Buglé gehört ironischerweise zu den ärmsten des Landes. Gemäß offiziellen Zahlen leben dort über 80 Prozent der Bevölkerung in Armut.

Die Regierung Martinelli betonte unlängst, dass sie die Mine Cerro Colorado nicht ausbeuten wolle und lediglich an der Nutzung der Wasserkraft in der Provinz der Ngöbe-Buglé interessiert sei. Ihre Haltung begründet sie mit Kostenüberlegungen. Falls keine neuen Wasserkraftwerke in der Provinz im Westen Panamas gebaut werden dürften, müsse das Land seine Energie aus teureren fossilen Brennstoffen beziehen. Indigenen- und Umweltorganisationen wollen allerdings den Beteuerungen der Regierung keinen Glauben schenken und haben inzwischen die Anwesenheit von Mitgliedern der Regierungspartei »Demokratischer Wandel« in Ngöbe-Buglé als »unerwünscht« erklärt.

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