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Von Kurt Stenger
15.02.2012

Wo die warme Wohnung Luxus ist

In Griechenland sind praktisch alle Lebensbereiche von der Krise betroffen

Das Ausmaß der griechischen Sparbeschlüsse ist kaum vorstellbar. Im Alltag der Griechen ist nichts mehr so wie noch vor zwei Jahren.

Das Tief Dieter bescherte Ende Januar auch Griechenland zweistellige Minustemperaturen. Das bereitete nicht nur den Obdachlosen, deren Zahl allein in der Hauptstadt Athen auf rund 20 000 angestiegen ist, große Probleme. Auch viele Familien drehten die Heizung in der Wohnung oder ihrem Haus nur zeitweilig ein bisschen auf, griffen lieber zur Jacke. Der Heizölpreis ist nämlich nach mehreren Verbrauchssteuererhöhungen und der Einführung einer Sondersteuer, Teile der ersten drei Sparpakete, förmlich explodiert. Händlern zufolge stieg er seit dem Vorkrisenherbst 2009 bis Herbst 2011, als die Tanks für diesen Winter befüllt wurden, im Schnitt um 75 Prozent. Also wird weniger geheizt, manche setzen mehr auf Brennholz. Experten rechnen mit dramatischen Folgen: 30 Prozent der ohnehin kärglichen Waldfläche könnten im Winter im Kamin landen.

Ein 75-prozentiger Preisanstieg bei Heizöl ist für Normalverdiener selbst in normalen Zeiten nicht zu verkraften. Umgerechnet auf Deutschland müsste eine Familie in einer 100-Quadratmeter-Wohnung, auf die beim aktuellen Heizölpreis durchschnittliche Jahresausgaben von 1170 Euro zukommen, in zwei Jahren schon rund 2050 Euro hinblättern, während ihr Budget immer kleiner wird.

Doch in Griechenland sind die Zeiten alles andere als normal. Praktisch kein Lebensbereich ist nicht massiv von der Krise betroffen. In staatlichen Krankenhäusern stehen in engen Fünfbettzimmern schon elf Betten, da sich kaum noch jemand den Aufenthalt in einer Privatklinik mehr leisten kann. Medikamente in der Apotheke gibt es nur noch gegen Bares. Selbst in einstigen Flaniermeilen herrscht Tristesse, stehen zwei von drei Läden leer.

Dass nichts mehr ist wie noch vor zwei Jahren, wird klar, wenn man sich die Dimensionen der Kürzungs- und Steuererhöhungspolitik vor Augen führt. Allein die ersten drei Sparpakete 2010 und 2011 haben das Haushaltsdefizit um 6,5 Prozent in Relation zur Wirtschaftskraft gesenkt - und dies bei stark gestiegenen Zinskosten. Auf deutsche Verhältnisse umgerechnet entsprächen die verlangten »Sparanstrengungen« staatlichen Ausgabenkürzungen bzw. Steuererhöhungen im Umfang von 160 Milliarden Euro. Die Summe käme zustande, etwa wenn man die beiden größten Einzeletats im Bundeshaushalt, Soziales und Verteidigung, per Federstrich für zwei Jahre halbieren würde.

Soeben wurde das vierte Sparpaket beschlossen. Auf deutsche Verhältnisse übertragen sieht dieses den Abbau von 360 000 Beamtenstellen vor. Dadurch wächst das Arbeitslosenheer weiter, das seit Ende 2009 schon um mehr als die Hälfte zugenommen hat - in Deutschland wären es plus 1,6 Millionen. Gleichzeitig werden das Arbeitslosengeld und der Mindestlohn um ein Fünftel gesenkt. Übertragen auf Deutschland würde der Ost-Mindestlohn am Bau von 10 auf 7,80 Euro sinken.

Allerdings lässt sich Griechenland nicht 1:1 auf Deutschland umrechnen, dies würde die Lage noch beschönigen. Das Durchschnittsgehalt zwischen Makedonien und Kreta liegt bei nicht einmal 700 Euro - in der Bundesrepublik bei mehr als doppelt so viel -, und das bei höheren Lebenshaltungskosten. Und das stark gekürzte Arbeitslosengeld wird nur für sechs Monate ausgezahlt, danach gibt es nichts mehr. Traditionell springt in Griechenland dann die Familie ein. Doch wie soll sie dies leisten können, wo die warme Wohnung schon Luxus ist.

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