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Von Stefan Otto 15.02.2012 / Berlin / Brandenburg

Immowert setzt die Sense an

Wegen Modernisierung der Arconahöfe droht dem Club »Kirche von Unten« das Ende

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Jolly im Konzertkeller

Sie wissen noch nicht, wie sie weitermachen werden. Michael, Elias, Sandra und Jolly sitzen in dem Café des Jugendclubs »Kirche von Unten«, kurz: KvU, zusammen. Noch haben sie keine Strategie. Sie brauchen Unterstützung, soviel ist klar, und sie wollen auf die Nachbarn zugehen, die wie sie aus den Arconahöfen in Mitte ausziehen sollen. Vielleicht gehen sie auch sonntags zum benachbarten Flohmarkt am Mauerpark und schreien es heraus: »Alle mal herhören: Die KvU soll ausziehen. Unser Konzertraum soll zur Tiefgarage umgebaut werden.« Der gesamte Gewerbehof soll in Wohnungen umgebaut werden.

Architekten sind bereits zum Ausmessen gekommen. Ihnen hätten sie entlocken können, dass in dem Keller Autos parken sollen, erzählt Jolly. Er begleitet die KvU, die vom Verbund e.V. getragen und bezuschusst wird, schon lange. »Angefangen hat alles in der Elisabethkirchstraße, erzählt der 47-Jährige, noch vor dem Mauerfall, als die Kirche sich um die alternative Subkulturen kümmerte. »Seit den frühen 90er Jahren sind wir nun schon in der Kremmener Straße. Bisher haben wir immer unseren Mietvertrag verlängert bekommen«, meint er. »Manchmal für ein Jahr, häufig für mehrere Jahre.« Die Vermieter wechselten häufiger, anfangs gehörte der Gewerbehof einer kommunalen Wohnungsverwaltung, später der Jewish Claims Conference sowie einem Immobilienunternehmen.

Doch nach dem letzten Eigentümerwechsel, als am 1. Oktober 2011 die österreichische Firma Immowert den Gewerbehof übernahm, spitzte sich die Lage für die KvU zu. »… wir dürfen Ihnen mitteilen, dass die neuen Eigentümer keine weitere Vermietung nach dem 01.01.2013 wünschen«, schrieb die Hausverwaltung Ernst G. Hachmann. »Insofern bedauern wir Ihnen mitteilen zu müssen, dass es hier zu keiner Vertragsverlängerung kommen wird.«

Vor einer Woche luden die Aktivisten der KvU Bezirkspolitiker aus Mitte ein. Es kamen Vertreter der Piraten, Grünen und CDU, die ihre Unterstützung für den Club anboten, der vor allem für seine Punkkonzerte bekannt ist. Frank Bertermann (Grüne) sagte zu, in der Bezirksverordnetenversammlung einen Appell an das Bezirksamt zu entsenden. »Das soll mit dem Eigentümer verhandeln, ob es nicht doch noch eine Weitervermietung geben kann.« Keller und Erdgeschoss seien ja nicht die besten Wohnlagen, gibt er zu bedenken.

Doch Immowert zeigt sich bislang frostig. Es sei schon sehr verwunderlich, dass in Berlin nur wenig Verständnis dafür aufgebracht werde, wenn eine Immobilie modernisiert werden müsse, sagt eine Sachbearbeiterin der Projektentwickler, die ihren Namen nicht nennen möchte, am Telefon. Die Website der Wiener Immobilienfirma gibt Auskunft, dass sich das Unternehmen in Berlin auf gehobenes Wohnen im innerstädtischen Bereich spezialisiert hat. »Die Arconahöfe sind in einem schlechten Zustand«, sagt die Frau. Es gebe ständig Probleme mit der Heizung, und recht häufig platzten Wasserrohre. Erst in einem halben Jahr könne sie Auskunft über die weiteren Pläne geben. Nur so viel verrät sie: Laufe ein Vertrag eines Mieters dort aus, werde er nicht mehr verlängert. Da sei der Jugendclub keine Ausnahme. Wann mit den Sanierungsarbeiten begonnen werde, könne sie nicht sagen.

Es sieht also schlecht aus für die KvU. Gewerberäume sind leicht zu kündigen. Aber noch wollen die Aktivisten nicht an einen Auszug denken. Bis zu 200 Besucher kommen zu den Konzerten in die ruhige Kremmener Straße. Beinahe scheint es dann, als wäre die KvU ein Überbleibsel in dem Kiez rund um die Kastanienallee, wo es vor einigen Jahren noch an jeder Ecke Kultur zu erleben gab.

Modernisierungen und Neubauten haben das Viertel in den letzten Jahren gezeichnet. Viele Bewohner zogen fort; ganze Straßenzüge wirken wie ausgewechselt, als hätte es eine Vertreibung und Neubesiedlung gegeben. Projektentwickler preisen ihre Immobilien jetzt als Leben im städtischen Idyll an. Für Subkulturen scheint da wohl kein Platz mehr zu sein.

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