Im brasilianischen Parlament wird gerade um eine Regelung der Leiharbeit gerungen, und ein deutscher Multi liefert dazu die passenden Schlagzeilen: Letzte Woche wurde Volkswagen im Bundesstaat São Paulo wegen Leiharbeit zu einer Geldstrafe von umgerechnet 440 000 Euro verurteilt. Der Autokonzern lasse in seiner Motorenfabrik von São Carlos Leiharbeiter Tätigkeiten verrichten, die zur Endproduktion gehören, befand ein Richter. Für die Zentrale in Wolfsburg handelt es sich dabei nur um eine »logistische Dienstleistung«.
Die gut 200 Angestellten einer Drittfirma tragen Motorenteile bis zu 60 Zentimeter an die Montagelinie heran. Obwohl sie »Schulter an Schulter« mit der VW-Stammbelegschaft tätig seien, verdienten die Leiharbeiter nur halb so viel wie diese und hätten weniger Zusatzvergünstigungen und Rechte, sagte Staatsanwalt Rafael de Araújo Gomes, der den Prozess begleitet. Der Multi, der in die Revision geht, möchte die Lücken in der brasilianischen Arbeitsgesetzgebung konsequent ausnutzen - Leiharbeit gebe es auch in den VW-Werken in Resende und Curitiba, berichten Gewerkschafter. In Brasilien ist das bei weitem kein Einzelfall. Viele Drittfirmen sind nicht einmal mehr Dienstleister, sondern nur noch Arbeitsvermittler.
Im Kongress von Brasília drängt die Unternehmerlobby auf eine radikale Liberalisierung. Käme sie damit durch, müssten Firmen wie VW überhaupt keine eigenen Leute mehr anstellen, sie könnten alle arbeitsrechtlichen Verpflichtungen abgeben. »Die Leiharbeit hat nicht wie behauptet die Modernität gebracht, sondern sie führt zu archaischen Arbeitsbeziehungen und verletzt die Prinzipien der Gleichheit«, heißt es in einem Grundsatzpapier des Gewerkschaftsdachverbands CUT. Die Chancen für einen Gegenentwurf des Ex-Gewerkschafters Vincentinho stehen schlecht, die Mitte-Links-Regierung von Dilma Rousseff bemüht sich um einen Kompromiss. Die Prekarisierung von Arbeitsverhältnissen ist ein globales Phänomen, und die Offensive des Kapitals noch lange nicht vorbei.
In Wolfsburg haben letztes Jahr VWler aus aller Welt eine Charta gegen Leiharbeit verabschiedet. Solche länderübergreifenden Initiativen müssen Schule machen.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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