Draußen Raumschiff, drinnen Kraterlandschaft: Deutschlands futuristisches Mitmachmuseum in Wolfsburg hat keine gerade Wand, dafür aber jede Menge Hügel, Krater, Höhlen und Ebenen. Eine Landschaft, so groß wie zwei Sportplätze, gespickt mit Naturphänomenen. Stündlich faucht ein Feuertornado aus dem Boden fünf Meter in die Höhe. Große und kleine Zuschauer staunen in sicherem Abstand und lernen, so sieht ein Glutwirbel aus, wie er bei Buschbränden entsteht. Gleich um die Ecke ein ganz besonderer Spiegel: Hier sieht man das eigene Wärmebild auf eine Leinwand gebannt und stellt fest: Die Nase ist am kältesten.
Festgelegte Wegstrecken und Wegweiser durchs Phaeno gibt es bewusst nicht. Die Besucher können überall anfangen, das Museum kreuz und quer erkunden. Ausgetüftelt wurde dieses größte deutsche Mitmachmuseum größtenteils von Joe Ansel. Der 58-jährige Amerikaner hat bereits mehr als 30 solcher Science-Center weltweit konzipiert, darunter das allererste, namens »Exploratorium« in San Francisco.
Willy-Brandt-Platz 1, Eintritt: Erwachsene: 12 €, Kinder/Jugendliche bis 6 Jahre frei, von 6 bis 17 Jahren: 7,50 € Tel.: (0180) 10 60 600 (bundesweit aus dem Festnetz zum Ortstarif) www.phaeno.de,
Gar nicht so leicht, einen Torbogen aus Holzstücken auf einem waagerechten Brett so zu bauen, dass der Bogen nicht in sich zusammenkracht, wenn man ihn mit dem Brett senkrecht aufrichtet. Ein Versuch, typisch für die Phänomenta-Standorte u. a. in Flensburg, Lüdenscheid, Peenemünde und Bremerhaven: Einfach, schnell zu begreifen und ohne Messgeräte durchzuführen. Ein Konzept, mit dem Phänomenta-Erfinder Lutz Fiesser schon seit Mitte der achtziger Jahre bei Eltern und Kindern erfolgreich ist. Denn er hat große und kleine Besucher intensiv beobachten lassen. Mit dem Ergebnis: Physik, nach Ansicht vieler Schüler die absolute Nummer 1 der Langweiler-Schulfächer, wird umgehend zum Hit, wenn Kinder sofort beginnen können zu experimentieren und keine langen Erklärungen lesen müssen. Lieber probieren sie etwas zehnmal - wie etwa den Versuch mit drei fast gleich aussehenden Metall-Rollen. Warum nur kullern sie eine Schräge unterschiedlich schnell runter? Und warum plumpst der auf einem Luftstrom tanzende Wasserball nur dann sofort auf den Boden, wenn ein Kind mit der Hand langsam durch den Wind fährt, nicht jedoch bei schnellem »Handstreich«?
Haben sich die Kinder erst in solche Tüfteleien vertieft, sollten Eltern sie weder mit oberlehrerhaften Erklärungen nerven, noch zum Weitergehen animieren, rät Lutz Fiesser. Am besten einfach mitmachen und danach Verständnis dafür haben, wenn nach gut zwei Stunden beim Nachwuchs der »Akku« leer und das Interesse für weitere Museums-Stationen auf Null ist.
Flensburg: Norderstraße 157-163, Eintritt: Kinder 3-6 J. 2 €, bis 16 Jahre 7 €, Erw. 9,50 €, Tel.: (0461) 144 49-0
Lüdenscheid: Gustav-Adolf-Straße 9-11, Eintritt: Kinder 7 €, Erw. 8 €, Tel.: (02351) 215 32
Bremerhaven: Hoebelstraße 24, Eintritt: Kinder ab 3 J., 2,50 €, Erw. 5 €, Tel.: (0471) 41 30 81
Peenemünde: Museumsstraße 12, Eintritt: Kinder 3-6 J. 2 €, bis 18 Jahre 5 €, Erw.7 €, Tel.: (038371) 26 70 66
Carolinensiel an der Nordsee: Bahnhof Carolinensiel 3, Eintritt: Kinder 3 - 5 J., 3 €, bis 18 J., 5 €, Erw. 7 €, Tel.: (04464) 94 24 94
Zeche Zollverein Essen: Am Handwerkerpark 8, Eintritt: 3 - 5 J., 3 €, bis 18 J.,5 €, Erw. 7 €, Tel.: (0201) 30 10 30, www.phaenomenta.com
Wandern wir durch den Menschen? Oder durch den Kosmos oder durch die Erde? Drei Alternativen für den Sonntagsspaziergang im Bremer Universum. Mit Kindern sollte man keinesfalls den Marathon durch alle drei Bereiche wagen, sondern sich für einen entscheiden. Beispielsweise auf einer Wendeltreppe mitten durch die Gesteinsschichten der Erde kraxeln. Auf der Oberfläche angekommen wartet eine gute Stube mit Radio, Leselampe und Ledersofa. Endlich ausruhen! Denkste, denn plötzlich fängt das ganze Wohnzimmer an zu zittern, die Lampe schaukelt bedrohlich, Bilder wackeln an der Wand. Ein Erdbeben, Stärke acht! Knapp zwei Minuten lang erfährt der Besucher auf dem »Erdbebebensofa« am eigenen Leib, wie sich das Beben von 1999 in der türkischen Stadt Izmit angefühlt haben muss.
Weitere Attraktionen unter den gut 300 kleinen und großen Versuchen: Beim Schädelpuzzle den Kopf unserer Vorfahren zusammensetzen, Stauwehre bauen oder ausprobieren, wie lange man es aushält, mit dem Kopf nur wenige Zentimeter unter dem an dünnen Seilen baumelnden, tonnenschweren »Angststein« zu liegen.
Anfassen ist überall Pflicht, denn Carlo Petri, Initiator des »Universums« schwört auf die Erkenntnis des chinesischen Philosophen Laotse: »Sage es mir und ich werde es vergessen; zeige es mir, und ich werde mich daran erinnern, beteilige mich und ich werde es verstehen.«
Wiener Str. 1a, Eintritt: Kinder 9 €, Erwachsene 16 €, Familienkarte 40 €, Tel.: (0421) 33 46-0, www.universum-bremen.de
Hier heißt es: Ohren auf! Weil das Science Center Spectrum der Stiftung Deutsches Technik-Museum in Berlin eine außergewöhnliche Sammlung akustischer Experimente hat. Mit einem 30 Meter langen Rohr lässt sich simulieren, wie man einen Gewitterdonner verzögert hört. Am einen Ende des Rohres klatscht jemand in die Hände, am anderen Ende kommt dieses Klatschen in seltsam auseinandergezogenen Echos an. Ein paar Räume weiter blitzt es: Fasziniert erzeugen Kinder per Knopfdruck Hochspannungsstrom in einem abgeschirmten Käfig. Aber auch ein bisschen schwitzen darf man hier - beim Versuch, einen schweren Sack in die Höhe zu bewegen. Schnell wird klar, ohne Hebel und Flaschenzug funktioniert es nicht, mit diesen Hilfsmitteln hingegen geht's ziemlich leicht.
Genau genommen ist Berlin die Wiege aller Mitmachmuseen: Denn hier in der Sternwarte hielt Alexander von Humboldt »Vorträge fürs Volk«. Wenig später, 1889, wurde deshalb eine Volkssternwarte gegründet. In dieser »Urania« konnten die Berliner jedoch nicht nur Sterne studieren, sondern erstmals auch selbst Versuche durchführen. In Erinnerung daran führt das Spectrum heute noch regelmäßig sogenannte »Humboldtstunden« mit Experimenten für Besucher durch.
Möckernstr. 26, Eintritt: Kinder 3,50 €, Erwachsene 6 €, Tel.: (030) 902 54-284, www.sdtb.de
Kinder tauchen würfelförmige Metallgestelle in Seifenlauge, ziehen sie wieder heraus und betrachten fasziniert von der Lauge gebildete Figuren. Nicht etwa alle sechs Würfelseiten sind benetzt, nein - in der Mitte des Würfelgestells hat sich ein Seifenlaugewürfel gebildet, der wiederum durch Seifenlaugehäute mit den Kanten des Metallwürfels verbunden ist. Was das mit Mathe zu tun hat? Eine ganze Menge, sagt Professor Albrecht Beutelspacher. Genauer gesagt mit dem mathematischen Gebiet der Minimalflächen. Die Seifenhäute bilden nämlich stets eine besonders kleine Grundfläche - nur so können sie stabil sein.
Aus mehr als 150 solcher Versuche hat Beutelspacher sein Mathe-Mitmachmuseum in Gießen aufgebaut, nach eigener Darstellung das einzige seiner Art weltweit. Nein, es ist keineswegs nur ein Anziehungspunkt für verschrobene Freunde binomischer Formeln, sondern für immerhin 150 000 Besucher im Jahr. Eltern und Kinder zerbrechen sich bei Knobelspielen den Kopf, basteln Leichtbaubrücken ohne Schrauben und Nägel nach, die Leonardo da Vinci im Jahre 1483 erfand. Oder sie legen das sogenannte Penrose-Parkett: eine Art Fußbodenpuzzle, erfunden von Roger Penrose, das im Unterschied zu herkömmlichen Fußböden oder Brettspielflächen nicht aus immer wiederkehrenden Formen, sondern unregelmäßigen Teilen besteht. Sie aneinanderzufügen macht reichlich Kopfzerbrechen. Für vier- bis achtjährige Kinder ist das Mini-Mathematikum die richtige Abteilung, denn dort finden sie Experimente, die speziell für diese Altersgruppe entwickelt wurden.
Liebigstraße 8, Eintritt: Kinder 5 €, Erwachsene 7,50 €, Tel.: (0641) 969 79 70, www.mathematicum.de
Ähnliche, aber zumeist kleinere Mitmach- und Kindermuseen gibt es z.B. in Aurich, Braunschweig, Donaueschingen, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Fulda, Halle, Hamburg, Hannover, Kist, Köln, Leipzig, Leverkusen, München, Nürnberg, Oelde, Potsdam, Solingen, Speyer, Stuttgart, Weimar, Wertheim, Wolfenbüttel, Wuppertal. Infos mit Kurzbeschreibung beim Bundesverband der deutschen Kinder- und Jugendmuseen, Tel.: (0911) 610 55 35,
www.bv-kindermuseum.de
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
Preis: 14,00 €
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