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Charlotte Noblet 18.02.2012 / Berlinale

Westsahara: Ein Aufruf zu Menschenrechten in der politischen Wüste?

Der spanische Schauspieler Javier Bardem schafft internationale Aufmerksamkeit auf die Lage der Saharauis dank seinem bemerkenswerten Dokumentarfilm „Hijos de las nubes, La última colonia“ (Söhne der Wolken, die letzte Kolonie).
Bardem Westsahara
Der Situation der Saharauis kam der Oscar-Preisträger Javier Bardem bei dem Internationalen Sahara-Filmfestival Fisahara 2008 näher. Seit 30 Jahren, nach dem Abzug von Francos Truppen aus der Westsahara und dem Einzug marokkanischer Truppen, leben 160 000 Saharauische Flüchtlingen in einem provisorischen Flüchtlingslager.

„Trotz der Situation zeigen die Saharauis null Ressentiment. Als Spanier war ich schockiert." Erst organiseert Bardem eine Petition „Todos con el Sahara" mit anderen Festivalbesuchern, dann entscheidet er sich für einen Dokumentarfilm, um den Saharauis Öffentlichkeit zu geben.

Leben in einer Sackgasse mitten in der Wüste

Der Zugang zu den Flüchtlingslagern sei von Marokko quasi gesperrt, erfährt der Zuschauer später im Film. Zwar herrschen im Lager Organisation, Respekt und Würde herrschen, aber die Verzweiflung nimmt zu. Es sei schwer, die junge Generation von gewaltfreiem Widerstand zu überzeugen. So hat sich jahrenlang nichts verbessert, viele Jugendliche erklären sich bereit, ihr Leben für die Befreiung ihrer Heimat zu geben, da sie sowieso auf die Art nicht weiterleben wollen.

Wenn die Mächtige über Sand spekulieren

Immer wieder tauchen Comic-Figuren auf der Leinwand auf. Es gibt die Saharauis, die Spanier, die Marokkaner, die Algerier, aber auch die Amerikaner, die Franzosen, die Russen. Sie zeichen Grenzen auf die Karte, bauen Mauern durch die Wüste, flüchten vor den Bomben. Die Geschichte erzählt eine weibliche Off-Stimme, vergleichbar mit der Roboterstimme einer virtuellen Flugbegleiterin. Sie informiert den Zuschauer neutral und pädagogisch über die Situation.

Die Westsahara war bis 1975 spanische Kolonie. Als Francos Truppen abzogen, rückten marokkanische Truppen ein. 160 000 Saharauis flohen ins Exil nach Algerien. Die Befreiungsfront Polisario führte einen Guerillakrieg gegen die neuen Besetzer. Seitdem arbeitet die Regierung der Demokratischen Arabischen Republik Sahara im Exil. Mit einer langen Mauer durch die Wüste und Minenfeldern versuchte Marokko, die Unabhängigkeit zu verhindern. Die UN vermittelten 1988 eine Waffenruhe und schickten Friedenstruppe für die Einhaltung der Menschenrechte in der Westsahara. Ursprünglich sollte 1991 ein Unabhängigkeits-Referendum bei den Saharauis stattfinden. Bis heute leistet aber Marokko Widerstand dagegen.

Javier Bardem übre Westsahara 62. Berlinale
von l. nach r. Vincenzo Bugno im Gespräch mit Álvaro Longoria und Javier Bardem
Der Zuschauer folgt Javier Bardem bei seinen Recherchen und Begegnungen. Archivmaterial ergänzt die Interviews und bebildert die Wörter. Beeindruckend wirkt zum Beispiel der „Grünen Marsch", als der König Hassa II sein Volk aufruft, Westsahara als Teils Marokko friedlich zu bevölkern.

Eine Menge Protagonisten wurden über die Situation und die Zukunft der Saharauis befragt. Lobbenwert ist es, dass allen Fronten das Wort gegeben wurde, dass die Personen, die ein Interview verweigert haben, genannt wurden.

Die Politiker sollen zum Schluß kommen

„Die Lage der Saharauis hängt nicht von einer Anti-Marokko-Haltung, sondern von einer pro-Menschenrechte-Haltung", sagte zu der politischen Situation Gare A.Smith, der als „deputy assistant secretary" für die Behörde für Demokratie, Menschenrechte und Arbeit im US-Außenministerium tätig war. Diese Meinung entspricht der Sichtweise von Javier Bardem eher als der Standpunkt von Roland Dumas, ehemaliger Außenminister Frankreichs: „In der Realpolitik würden wir sagen, die Lösung ist zurzeit keine Lösung."

Der Film läuft bei der berlinale in der Sektion Berlinale Special:
http://www.berlinale.de/external/de/filmarchiv/doku_pdf/20126522.pdf

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1 Kommentar zu diesem Artikel

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  • Ani-metaber, 19. Feb 2012 14:19

    Westsahara,

    ob es wohl lohnt bei den Öffentlich-Rechtlichen nach der Chance zu fragen, die für eine Ausstrahlung im Fernsehen bestünde?

    • Permalink

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