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Milbia Soloj in ihrem Büro in Solola
Foto: Hilmar König
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Die berühmte Pyramide von Tikal, ein Maya-Paar in typischer Tracht und ein Sonnenkranz zieren das Emblem der Organisation »Kooperation der Indigenen für eine integrierte Entwicklung« (COINDI) in Guatemala. Sie symbolisieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ihr Büro hat COINDI, die 2011 ihr 25-jähriges Bestehen feierte, in Solola, einer Stadt im Südwesten Guatemalas in der Nähe des Atitlan-Sees.
»Wir wollen das Selbstbewusstsein und den Stolz der Mayas auf ihre eigenständige Kultur wieder aufleben lassen«, erklärt Milbia Soloj, die Sekretärin der Organisation, gegenüber »nd« das Anliegen ihres Wirkens. Das Erbe ihrer Großeltern sei vor allem durch die spanische Kolonialherrschaft verschüttet worden. Mit einer Besinnung auf die Werte der Vorfahren und auf die großen kulturellen Leistungen ihrer ethnischen Gruppe könnten die Mayas ihr Leben verbessern, glaubt Soloj und fügt hinzu: »COINDI will mit ihren bescheidenen Mitteln in vielen kleinen Schritten dazu einen Beitrag leisten.«
Die 22-Jährige gehört den Kaqchikel an, die in dieser Gegend in zwei Departements siedeln und eine von insgesamt 24 indigenen Maya-Gruppen darstellen. Diese wiederum machen rund die Hälfte der Bevölkerung Guatemalas aus. Sie leben wirtschaftlich und sozial in einer anderen Welt als die Mestizen, die vor allem die zwar relativ kleine, aber einflussreiche Oberschicht und die Mittelschicht bilden. Ganz anders als es der vom Kulturministerium in der Hauptstadt Guatemala City propagierte Slogan »Wir alle sind Guatemalteken« vorgaukelt, besteht zwischen der Mehrheit der Mayas und den Mestizen eine tiefe Kluft. Daraus resultiert auch latenter Rassismus. Überdurchschnittlich viele Mayas zählen zur Unterschicht und zu den 48 Prozent Armen und extrem Armen, die in den städtischen Slums hausen und die ländlichen Gebiete bevölkern.
Traditionell steht dieses brisante Thema alljährlich am 12. Oktober, dem »Tag der Würde der Maya«, im Mittelpunkt der vielfältigen Aktionen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Stärkung von Frauen. Mit Veranstaltungen, bei denen sie zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen berichten, sollen sie zu dazu befähigt werden, ihre Bürgerrechte wahrzunehmen, nun intensiver am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, und zu lernen, Entscheidungen für die Gemeinschaft zu treffen und zu vertreten.
Ein Schritt dazu sind Berufsbildungskurse, in denen Frauen und Mädchen Schneidern, Weben, Sticken, Stricken, die korrekte Zubereitung von Konserven lernen oder mit dem Bio-Anbau von Kartoffeln, Möhren, Kohl, Melonen und Zucchini sowie mit Kleintierhaltung vertraut gemacht werden. So erhalten sie Starthilfe, sich eine eigene Existenzgrundlage zu schaffen. COINDI, von einer norwegischen und einer spanischen Nichtregierungsorganisation unterstützt, leistet dabei organisatorische, technische und finanzielle Hilfe. Durch solche wirtschaftlichen Aktivitäten wachsen Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit und Achtung der Frauen in der Gesellschaft. Milbia Soloj erwähnt in diesem Zusammenhang, dass die Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú auch schon in Solola war und wertvolle Hinweise aus ihrem reichen Erfahrungsschatz vermittelte.
Ein anderer Schritt ist Aufklärung, beispielsweise über häusliche Gewalt. Nicht nur Schläge der Ehegatten, Belästigungen und Entzug des Unterhalts gelten laut den Broschüren der Organisation als Ausübung von Gewalt. Es fange schon bei Beschimpfungen und Beleidigungen an. Auch dies dürfe nicht länger als »normal« hingenommen werden.
Doch COINDI sei keine explizite Frauenorganisation. Die Stärkung der Jugend, der überwiegend aus Männern bestehenden lokalen Verwaltungen in den ländlichen Gebieten im Departement Solola, die Einmischung in kommunale Angelegenheiten sowie technische Assistenz für Entwicklungsprozesse und für kulturelle Bedürfnisse versteht Soloj ebenso als Teil ihrer Aufgaben. »Es geht uns um Solidarität und Fairness miteinander sowie um die Achtung und den Schutz der Natur, die wir als Grundwert unserer Weltanschauung, als göttliches Geschenk betrachten,« sagt die junge Frau. COINDI kooperiere zudem mit einer Reihe von Organisationen.
In der am Atitlan-See liegenden Ortschaft Santa Catarina Palopo arbeitet zum Beispiel die Kooperative Qetzal. Sie stellt Kunsthandwerk her, verkauft Kaffee und Kakao an die Touristen. Ihre Produkte sind etwas teurer als auf dem Markt, jedoch von sehr guter Qualität. Und der »Mehrwert« gehe an die örtliche Schule zur Unterstützung von Kindern aus bedürftigen Familien.
»Bildung ist das A und O. Nur so kommen wir weiter«, meint Frau Soloj. Sie blickt trotz der »kleinen Schritte« zuversichtlich in die Zukunft. Vor 25 Jahren wurde COINDI von nur zwei Personen aus der Taufe gehoben. Heute beschäftige man 20 Mitarbeiter, um das Programm zu bewältigen. Ziel bleibe »der Aufbau einer humaneren, gerechteren Nation, in der Menschen und Kommunen die wirklichen Gestalter ihrer Entwicklung sind«.
"Wie ist das: Ihr Kakchiquel sprecht alle eure Sprache das Kakchiquel unter euch, aber eure kleinen Kinder sprechen alle die spanische Sprache ?" Der aeltere Kakchiquel laechelte: "Bis unsere Kinder noch nicht in die Grundschule gehen, sprechen wir mit unseren Kindern nur in der spanischen Sprache, damit sie sofort beim Schulanfang fuer die Grundschule die Lehrsprache sprechen. Aber sobald sie dann in der Grundschule noch mehr die spanische Sprache lernen, dann sprechen wir mit unsereren Kindern nur noch in Kakchiquel!" ----In Mexico werden in verschiedenen Indigenendistrikten beide Sprachen gelehrt: Die nationale Sprache, das Spanisch, und die jeweilige Sprache der Indigenenethnie, darunter auch Maya-Sprachen in Yucatan und Chiapas. In Mexiko sprechen noch mehrere Millionen Mexikaner neben dem Spanisch auch die Sprache ihrer Indigenenethnie. Das Nahuatl, welches auch von den Azteken gesprochen wurde (bei der Ankunft der Spanier 1519) - wird noch von fast zwei Millionen Mexikanern gesprochen. Eine Anzahl von Buechern werden in Nahuatl publiziert. ---Viele Indigenensprachen (Indianersprachen) sind grammatisch genau so hoch entwickelt und kompliziert wie das Deutsch, und hoeher grammatisch entwickelt als das primitive Englisch welches keine Unterschied der Geschlechtswoerter hat, nicht Verkleinern kann und heute keine Auswahl in der Personalform bietet(Du/Sie oder wie Im Spanisch Tu/Usted).
Mit wenigen Ausnahmen bestanden und bestehen in den Kulturen der "Ureinwohner" - weltweit- kaum gleiche Rechte fuer die Frauen. Im Gegenteil, die brutalste Unterdrueckung der Frau ist "Tradition" in vielen, vielleicht den meisten "Ureinwohner"-Kulturen. Die Frau muss der Stammes-Tradition folgen - und hat keinen Ausweg. Das wird von den romantischen und naiven "Gutmenschen" nicht gerne wahrgenommen,welche sich lieber mit exotischen Indigenen befassen, als aktiv in ihrer eigenen Gemeinde zu sorgen fuer die "Einfuegung" der Einwanderer von der Tuerkei oder den verfolgten Roma/Sinti. --- Der italienische Schriftsteller Barzini hat richtig erklaert: "Der Reisende/Besucher packt seine Koffer zur Abfahrt, sobald er versteht ueber was die einheimischen wirklich reden!" Mit anderen Worten: Was man sich vorstellt ist meistens in der Wirklichkeit ganz anders. Marx und Engels waren grosse Erkenner der geschichtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Tatsachen, aber vielleicht kannten sie nicht was der "Proletarier" wirklich wollte, wenn er nur koennte oder haette: Seine von anderen unabhaengige Selbstaendigkeit - kein "Kollektiv" und ohne ideologische Vorschriften fuer seinen persoenlichen Lebenstiel. Der Trend zum "liberatischen Sozialismus" - deutet auf eine Moeglichkeit - das Wirtschafts-Soziale mit dem persoenlichen privaten Anarchismus zu vereinigen. Dabei besteht weiter die wirtschafts-soziale Analyse von Marx/Engels, aber ohne von "Gutmenschen/Funktionaeren" erfundene "Kollektiv-Traditionen". --Genau so sollte die Frau in den "Ureinwohner"-Voelkern jetzt von der "Tradition" befreit werden, anstatt die "Tradition" weiter durch romantische "Gutmenschen" zu schuetzen. ---Marx schrieb: "Die Traditionen vergangener Generationen lasten wie Alptraeume ueber das Denken der Lebenden". ---Die Indigenen der Amerikas sind kein menschlicher "Zoo" zum begaffen der Europaer: Deshalb muss auch fuer die Indigenen der Weg aus der "Tradition" in ihre eigene private Befreiung entstehen!
Sie kauerten jeden Nachmittag am Landesteg am Atitlan-See, und wartenden auf das Boot zurueck zur ihrer Gemeinde am anderen Ufer. Den ganze Tage waren diese Kakchiquel-Frauen mit ihrer Last von gewebten Gewaendern in Panajachel herumgewandert und hatten diese kunstvollen Gewebe den Turisten angeboten: "Kauf etwas!". Jetzt plauderten sie unter sich und warteten auf das Boot. Noch einmal sagten sie zu einem Turisten welcher schon jeden Nachmittag vorbei spazierte: "Kauf etwas". Der Turist antwortete immer wieder freundlich in Kakchiquel: "Matiox txawa!" (Danke! Morgen!). Diesmal fluesterte eine der Frauen eine Bemerkung zu den Anderen: Sofort nickten alle, senkten ihre Koepfe und kicherten! Der Turist fragte: "Was hat die gesagt?" Zoegernd, dann antwortete die Aelteste mit einer ernsten Miene: "Sie hat gesagt:'Na ja, das ist ein Mann'!" Dann ein Blick aufwaerts von der Witzboldin und ihre Frage an den Mann : "Hast du eine Frau?" Antwort: "Ja!" Verstaendnisvolles nicken aller...
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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