Von Hilmar König
21.02.2012

Im Zeichen der Pyramide von Tikal

COINDI in Guatemala will Stolz auf das Kulturerbe der indigenen Mayas wecken

Seit 25 Jahren setzt sich die Organisation COINDI im zentralamerikanischen Guatemala für den Erhalt der Kultur der Mayas ein und versucht, soziale Probleme zu mindern.
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Milbia Soloj in ihrem Büro in Solola

Die berühmte Pyramide von Tikal, ein Maya-Paar in typischer Tracht und ein Sonnenkranz zieren das Emblem der Organisation »Kooperation der Indigenen für eine integrierte Entwicklung« (COINDI) in Guatemala. Sie symbolisieren Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Ihr Büro hat COINDI, die 2011 ihr 25-jähriges Bestehen feierte, in Solola, einer Stadt im Südwesten Guatemalas in der Nähe des Atitlan-Sees.

»Wir wollen das Selbstbewusstsein und den Stolz der Mayas auf ihre eigenständige Kultur wieder aufleben lassen«, erklärt Milbia Soloj, die Sekretärin der Organisation, gegenüber »nd« das Anliegen ihres Wirkens. Das Erbe ihrer Großeltern sei vor allem durch die spanische Kolonialherrschaft verschüttet worden. Mit einer Besinnung auf die Werte der Vorfahren und auf die großen kulturellen Leistungen ihrer ethnischen Gruppe könnten die Mayas ihr Leben verbessern, glaubt Soloj und fügt hinzu: »COINDI will mit ihren bescheidenen Mitteln in vielen kleinen Schritten dazu einen Beitrag leisten.«

Die 22-Jährige gehört den Kaqchikel an, die in dieser Gegend in zwei Departements siedeln und eine von insgesamt 24 indigenen Maya-Gruppen darstellen. Diese wiederum machen rund die Hälfte der Bevölkerung Guatemalas aus. Sie leben wirtschaftlich und sozial in einer anderen Welt als die Mestizen, die vor allem die zwar relativ kleine, aber einflussreiche Oberschicht und die Mittelschicht bilden. Ganz anders als es der vom Kulturministerium in der Hauptstadt Guatemala City propagierte Slogan »Wir alle sind Guatemalteken« vorgaukelt, besteht zwischen der Mehrheit der Mayas und den Mestizen eine tiefe Kluft. Daraus resultiert auch latenter Rassismus. Überdurchschnittlich viele Mayas zählen zur Unterschicht und zu den 48 Prozent Armen und extrem Armen, die in den städtischen Slums hausen und die ländlichen Gebiete bevölkern.

Traditionell steht dieses brisante Thema alljährlich am 12. Oktober, dem »Tag der Würde der Maya«, im Mittelpunkt der vielfältigen Aktionen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der Stärkung von Frauen. Mit Veranstaltungen, bei denen sie zu Wort kommen und von ihren Erfahrungen berichten, sollen sie zu dazu befähigt werden, ihre Bürgerrechte wahrzunehmen, nun intensiver am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen, und zu lernen, Entscheidungen für die Gemeinschaft zu treffen und zu vertreten.

Ein Schritt dazu sind Berufsbildungskurse, in denen Frauen und Mädchen Schneidern, Weben, Sticken, Stricken, die korrekte Zubereitung von Konserven lernen oder mit dem Bio-Anbau von Kartoffeln, Möhren, Kohl, Melonen und Zucchini sowie mit Kleintierhaltung vertraut gemacht werden. So erhalten sie Starthilfe, sich eine eigene Existenzgrundlage zu schaffen. COINDI, von einer norwegischen und einer spanischen Nichtregierungsorganisation unterstützt, leistet dabei organisatorische, technische und finanzielle Hilfe. Durch solche wirtschaftlichen Aktivitäten wachsen Selbstbewusstsein, Unabhängigkeit und Achtung der Frauen in der Gesellschaft. Milbia Soloj erwähnt in diesem Zusammenhang, dass die Menschenrechtsaktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Rigoberta Menchú auch schon in Solola war und wertvolle Hinweise aus ihrem reichen Erfahrungsschatz vermittelte.

Ein anderer Schritt ist Aufklärung, beispielsweise über häusliche Gewalt. Nicht nur Schläge der Ehegatten, Belästigungen und Entzug des Unterhalts gelten laut den Broschüren der Organisation als Ausübung von Gewalt. Es fange schon bei Beschimpfungen und Beleidigungen an. Auch dies dürfe nicht länger als »normal« hingenommen werden.

Doch COINDI sei keine explizite Frauenorganisation. Die Stärkung der Jugend, der überwiegend aus Männern bestehenden lokalen Verwaltungen in den ländlichen Gebieten im Departement Solola, die Einmischung in kommunale Angelegenheiten sowie technische Assistenz für Entwicklungsprozesse und für kulturelle Bedürfnisse versteht Soloj ebenso als Teil ihrer Aufgaben. »Es geht uns um Solidarität und Fairness miteinander sowie um die Achtung und den Schutz der Natur, die wir als Grundwert unserer Weltanschauung, als göttliches Geschenk betrachten,« sagt die junge Frau. COINDI kooperiere zudem mit einer Reihe von Organisationen.

In der am Atitlan-See liegenden Ortschaft Santa Catarina Palopo arbeitet zum Beispiel die Kooperative Qetzal. Sie stellt Kunsthandwerk her, verkauft Kaffee und Kakao an die Touristen. Ihre Produkte sind etwas teurer als auf dem Markt, jedoch von sehr guter Qualität. Und der »Mehrwert« gehe an die örtliche Schule zur Unterstützung von Kindern aus bedürftigen Familien.

»Bildung ist das A und O. Nur so kommen wir weiter«, meint Frau Soloj. Sie blickt trotz der »kleinen Schritte« zuversichtlich in die Zukunft. Vor 25 Jahren wurde COINDI von nur zwei Personen aus der Taufe gehoben. Heute beschäftige man 20 Mitarbeiter, um das Programm zu bewältigen. Ziel bleibe »der Aufbau einer humaneren, gerechteren Nation, in der Menschen und Kommunen die wirklichen Gestalter ihrer Entwicklung sind«.