Ach Claudia Pechstein! Kopfschütteln oder Mitleid - wie soll man es mit der Eisschnellläuferin nur halten. Vor drei Jahren waren die meisten von ihrer Dopingschuld überzeugt, zwei Jahre später schien sie entlastet und zu Unrecht gesperrt. Im neusten Fall der Erfurter UV-Behandlung wuchsen wieder Zweifel, zumal Pechstein und ihr Umfeld derzeit jeden unsäglich beschimpfen, der es wagt, sie zu kritisieren. Bei einer Aktion der Staatsanwaltschaft war sie gestern dann doch mal wieder zu bemitleiden.
An ihrem 40. Geburtstag wurde das Grundstück Pechsteins nahe Berlin von der Polizei durchsucht. Hätte sie damit nicht noch einen Tag warten können? Schließlich ging es nicht mal um Pechstein selbst, sondern um Rocker, die das Grundstück mal bewacht und womöglich als Versteck für Waffen genutzt hatten.
Dieser Fall scheint einfacher lösbar zu sein als jener der Erfurter Kollegen gegen den Sportmediziner Franke, dessen Patient Pechstein gewesen sein soll. Dieser Eindruck wurde gestern nochmals verstärkt, als der Bund Deutscher Radfahrer Jakob Steigmiller für die Bahnrad-WM im April vorschlug. Im Gegensatz zu Pechstein läuft gegen ihn sogar ein Verfahren vor der Deutschen Institution für Schiedsgerichtsbarkeit wegen der mittlerweile verbotenen Behandlung Frankes.
Dass Steigmiller trotzdem nominiert werden soll, ist ein Indiz dafür, dass die Verantwortlichen im Radsportverband sowie dem Deutschen Olympischen Sportbund nicht mit einer Dopingsperre rechnen. Das müsste dann für die restlichen Beschuldigten auch gelten. Claudia Pechstein dürfte sich darüber gestern aber kaum gefreut haben.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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