Der Spitzenkandidat der schleswig-holsteinischen SPD, Torsten Albig, zerschlägt im laufenden Wahlkampf gerade viel Porzellan bei den Gewerkschaften. Die dortigen Funktionäre, nicht selten mit einem Parteibuch der Sozialdemokraten ausgestattet, sind stinksauer auf den Hoffnungsträger. So präsentiere sich wahrlich kein Wunsch-Ministerpräsident der Herzen, heißt es intern.
Albig, derzeit Kieler Oberbürgermeister, hat mit Blick auf die Tarifrunde 2012 angedroht, dass er in der Rolle als Verwaltungschef bei Umsetzung der von ver.di im öffentlichen Dienst geforderten 6,5 Prozent Gehaltserhöhung um Kürzungen im Bereich der freiwilligen Leistungen nicht herumkommen werde. Die Landesleiterin von ver.di Nord, Karin Hesse, ist empört: »Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes sind nicht verantwortlich für die verfehlten politischen Entscheidungen der vergangenen Jahre, die zu massiven Einnahmeproblemen bei den öffentlichen Kassen geführt haben.« Sie spricht von einem Schlag ins Gesicht der Arbeitnehmer, deren Arbeitsalltag geprägt sei durch den Abbau vieler tausender Arbeitsplätze und einer damit verbundenen enormen Arbeitsverdichtung bei gleichzeitigem Reallohnverlust. Zugleich weist sie den OB Albig auf gestiegene Gewerbesteuereinnahmen hin.
Und auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hat sich den SPD-Spitzenmann vorgeknöpft: Eine sozialpädagogische Assistentin mit monatlich knapp 1800 Euro brutto könne nicht zur Finanzierung von zu schaffenden Krippenplätzen in der Kommune herangezogen werden, kritisierte GEW-Landeschef Matthias Heidn in Kiel.
Für Jannine Menger-Hamilton, Landeschefin der LINKEN, passt Albig in das typische Bild eines Sozialdemokraten, der nichts aus der Agenda 2010 gelernt hat. Er mache keinen Hehl daraus, dass Arbeitnehmer keine Rückendeckung von ihm erwarten können, sagt die Landessprecherin.
Hinter den Kulissen werden seit einigen Tagen von alteingesessenen DGB- und IG-Metall-Sekretären bitterböse Briefe und Mails ins Kieler Rathaus verschickt. Albig verweist in seinen Antworten auf die Realitäten in den kommunalen Kassen und richtet an die Genossen die Erwartung, dass sie im Wahlkampf seiner Position doch bedingungslos folgen mögen. Albigs Genossen werden am Freitag sicherlich genau darauf achten, was der Kieler OB in einer Veranstaltung mit dem früheren Finanzminister Peer Steinbrück an haushaltspolitischen Wahlkampf-Weisheiten von sich gibt.
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