Es sind schlechte Vorzeichen für die Präsidentenwahl in Senegal, das lange als afrikanisches Musterland in Sachen Demokratie galt. Gewaltsam löste die Polizei mit Schlagstöcken und Tränengas am Dienstagabend in der Hauptstadt Dakar eine Protestdemonstration gegen eine weitere Amtszeit von Staatschef Abdoulaye Wade auf. Auch der weltberühmte Sänger Youssou N'Dour wurde verletzt. Er darf am Sonntag nicht antreten, weil er angeblich die notwendige Zahl gültiger Wählerunterschriften für seine Kandidatur nicht erreicht habe.
Der 85-jährige Wade schon, wenngleich das nach zwei Amtsperioden gar nicht mehr möglich sein sollte. Auch diese Entscheidungen des Verfassungsgerichts haben zu einem mehr und mehr blutigen Wahlkampf auf brennenden Barrikaden beigetragen. Obwohl das Land unter gravierenden sozialen Problemen leidet, die Arbeitslosigkeit bei 50 Prozent liegt und hohe Lebensmittelpreise die vielen Armen besonders hart treffen, setzt der Politgreis auf teure Prestigeprojekte wie den neuen Flughafen von Dakar. Zugleich würden Opposition und Medien massiv eingeschüchtert, so Amnesty International, das jetzt nachdrücklich Meinungs- und Demonstrationsfreiheit für die Menschen in Senegal gefordert hat. Trotz aller Proteste hat Wade aber durchaus Chancen für eine Wiederwahl. Denn so einig die Opposition in seiner Ablehnung ist, so zerstritten zeigt sie sich, wenn es um eine gemeinsame personelle Alternative geht.
Aktuelle Ausgabe: 25.05.2012
Senegal in der Sackgasse Gewalt und Einschüchterung machen Präsidentenwahl zur Farce
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