Anstecknadeln und Aufnäher, eine selbst gebaute Antenne zum Empfang von Westfernsehen, Dokumente oder ein Roller der Marke »Schwalbe«, das sind Exponate der neuen Dauerausstellung »Alltag: DDR« in Eisenhüttenstadt. Das Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR zeigt sie von Sonnabend an. Die Ausstellung richte sich vor allem an junge Leute, die das Land nicht erlebt haben, sagte Leiter Andreas Ludwig gestern.
Die Stadt beschloss indes, ihren jährlichen Zuschuss von 76 700 Euro ab 2013 zu streichen. Leiter Ludwig sieht den Bestand der Einrichtung gefährdet. Nun wird eine Lösung gesucht. »Die drei Geldgeber sind miteinander im Gespräch«, sagte die Kulturministerin Sabine Kunst (für SPD) am Mittwoch. Der Kreis Oder-Spree und das Land beteiligen sich an der Finanzierung. Nach derzeitigem Stand will das Land den eigenen Zuschuss nicht erhöhen.
Ludwig ist trotzdem optimistisch. Ihm zufolge liegt der Basisetat bei rund 210 000 Euro pro Jahr. DDR-Museen gibt es ansonsten noch in Berlin, Perleberg und Pforzheim. In das Dokumentationszentrum in Eisenhüttenstadt kommen pro Jahr 6000 Besucher, ein Drittel von ihnen aus Brandenburg, ein weiteres Drittel aus Berlin. Die neue Dauerausstellung kostete 700 000 Euro, die vom Bund und vom Land gezahlt wurden.
Die Stasi-Landesbeauftragte Ulrike Poppe sagte, dass der »durchherrschte Alltag« ein wichtiger Punkt bei der Betrachtung der DDR sei. Man dürfe sich nicht nur einseitig auf die Aspekte Repression, Stasi und Grenze festlegen. Eine solche Schau, wie sie in Eisenhüttenstadt konzipiert wurde, sei eine Gratwanderung - »nicht in Nostalgie zu verfallen, aber auch die DDR nicht zu einem Kuriositätenkabinett zu machen«. Das eine sei, ein Pioniertuch zu zeigen, das andere zu fragen, was mit den Menschen passiert sei, die kein Pioniertuch trugen.
Dokumentationszentrum Alltag der DDR, Erich-Weinert-Allee 3 in Eisenhüttenstadt, Di. bis So. von 11 bis 17 Uhr, Eintritt: 4 Euro, ermäßigt 2 Euro