24.02.2012

Flucht ins Irgendwo

Göttinger Romafamilie wehrt sich gegen Abschiebung

Göttingen (nd-Paul). Eine Romafamilie aus Göttingen ist aus Angst vor der drohenden Abschiebung nach Kosovo untergetaucht. Für die 48 Jahre alte Mutter und Witwe Bahtija Saciri und ihre drei Kinder im Alter von 15, 16 und 18 Jahren sei der Schritt in die Illegalität »immer noch vorstellbarer als die Reise an einen zerstörten Ort, der für sie nicht mehr Heimat, sondern nur noch Bedrohung ist«, teilte das Göttinger Bündnis »Bleiberecht für Roma« gestern mit.

Die Familie Saciri lebt seit neun Jahren in Göttingen. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt. »Sie hangelten von Duldung zu Duldung«, sagte Stefan Klingbeil vom Göttinger Arbeitskreis Asyl. Am 13. Februar erhielt die Familie die Aufforderung zur Ausreise. Zwei ältere Brüder sind in Deutschland verheiratet und haben Kinder. Für sie galt die Abschiebeandrohung nicht. In der vergangenen Woche wurde Bahtija Saciri mit Verdacht auf Herzinfarkt ins Krankenhaus eingeliefert. Nach der Entlassung bescheinigte ihr ein Arzt Reiseunfähigkeit, die Stadt bestand aber auf einem amtsärztlichen Attest. Zu dem Termin beim Gesundheitsamt ist die Frau aber nicht erschienen, die Familie beschloss, sich der Abschiebung durch Verstecken zu entziehen.

Der Göttinger LINKE-Landtagsabgeordnete Patrick Humke sagte, die drei betroffenen Kinder gingen in Göttingen zur Schule und seien gut integriert. »Im Kosovo wären sie völlig isoliert, weil sie Roma sind und weil sie weder albanisch noch serbisch sprechen.« Die Grüne Jugend Göttingen solidarisierte sich »ausdrücklich« mit der untergetauchten Familie: »Der Staat lässt ihnen keine andere Möglichkeit.«

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