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24.02.2012

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Kommentar von Silvia Ottow

Das dritte Geschlecht ist bisher nicht sonderlich populär hierzulande. Ein Kind, welches mit männlichen und weiblichen Geschlechtsmerkmalen geboren wird, macht oftmals Eltern und Ärzte gleichermaßen ratlos. Allzu schnell fassen diese den Entschluss, dem wehrlosen Baby mit Hoden und Vagina eines von beiden zu nehmen und für den Rest ihrer Tage eisern darüber zu schweigen. Was einem so beschnittenen Menschen nicht selten das ganze Leben lang körperliche und seelische Qualen bereitet. Es könnte sein, dass die Stellungnahme des Ethikrates, der einen Hilfsfonds für die Opfer solcher Eingriffe fordert und sogar einen Verzicht auf die Unterteilung in »männlich« und »weiblich« im Personenstandsregister ins Gespräch bringt, ein langsames Umdenken in dieser Sache auf den Weg bringt.

Das wäre den Betroffenen - einige Wissenschaftler sprechen von 8000 Menschen, andere vermuten eine zehnfach höhere Zahl - nur zu wünschen. Eine Voraussetzung dafür, dass sie als gleichwertige Mitglieder der Gesellschaft akzeptiert werden - egal, ob sie im Laufe des Lebens ihr Geschlecht ändern oder als Hermaphroditen, Zwitter oder Intersexuelle zufrieden mittendrin existieren -, ist auf jeden Fall eine bessere Aufklärung aller Menschen. Die aber fängt nach jahrzehntelangem Verschweigen solcher körperlichen Merkmale, die wohl noch immer mehrheitlich als Krankheit empfunden werden, jetzt erst an. Wie lange es noch dauern wird, ehe ein Hermaphrodit in der Mitte dieser Gesellschaft ankommen wird, kann man sich vorstellen, wenn man sich den beschwerlichen Weg homosexueller Menschen in Erinnerung ruft.

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