»Dringendes Handeln ist erforderlich, handelt nicht erst, wenn die Leute auf die Barrikaden gehen!«, appellierte IG BAU-Chef Klaus Wiesehügel auf einer Pressekonferenz an die Bundesregierung. Zuvor hatten die in der Kampagne »Impulse für den Wohnungsbau« zusammengeschlossenen Organisationen und Verbände sowie Wissenschaftler aus Hannover und Bochum darauf hingewiesen, dass insbesondere in Großstädten, Ballungsgebieten und Universitätsstädten vornehmlich im Westen der Bundesrepublik inzwischen schon 100 000 bezahlbare Mietwohnungen fehlen. Würde der Bau bezahlbarer Mietwohnungen nicht auf 130 000 pro Jahr verdoppelt, vergrößere sich die Lücke drastisch - in fünf Jahren würden 400 000 Wohnungen bundesweit fehlen. Von Bund und Ländern forderten die Bau- und Immobilienexperten, dringend mit steuerlichen Erleichterungen Anreize für Investoren zu erhöhen und mit einer Wiederbelebung der staatlichen Wohnungsbauförderung der neuen Wohnungsnot gegenzusteuern. Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten brachte es auf den Nenner: »Wir brauchen eine Renaissance der sozialen Wohnraumförderung.« 80 Prozent der in den letzten Jahren gebauten Wohnungen seien im Hochpreissegment nach der Devise »Reich baut für Reich« entstanden.
Für einen Großteil der Haushalte in der Bundesrepublik, so Matthias Günter vom Hannoveraner Pestel-Institut, werde das Wohnen finanziell belastender. »Einkommen und Wohnkosten laufen immer weiter auseinander«, erklärte er. Einerseits seien Mieten und Nebenkosten deutlich gestiegen, andererseits habe die Zahl einkommensschwacher Haushalte zugenommen. Zu denken gebe auch die annähernde Verdoppelung des Anteils der Haushalte, deren gesamte Unterkunftskosten mehr als 40 Prozent des verfügbaren Haushaltsnettoeinkommens verschlingen, auf inzwischen 24 Prozent. Während in Nachbarländern ein Sozialwohnungsanteil von 15 Prozent und mehr existiere, betrage der in Deutschland nur noch vier Prozent.
Der Bochumer Wohnungsbauexperte Professor Volker Eichener erklärte: »Die Wohnungsnot ist nicht nur gefühlt.« In den vergangenen vier Jahren seien die Angebotsmieten im Durchschnitt aller kreisfreien Städte um elf Prozent gestiegen. Zudem steige die Zahl der Wohnungslosen nach jahrelangem Rückgang wieder an. 248 000 Menschen lebten inzwischen nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe auf der Straße oder in Behelfsunterkünften.
Siekönnen nicht alle dem Kapital in die Schuhe geschoben werden. Es macht möglicherweise keinen Sinn, die Freiheit am Hindukusch zu verteidigen und gleichzeitig.im Osten der Republik Wohnungen ängmass zu vernichten.
Aktuelle Ausgabe: 26.05.2012
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