Von Oliver Händler, Ruhpolding
12.03.2012

Fourcade krönt sich zum König

Franzose gewinnt dritten Einzeltitel bei Biathon-WM / Tora Berger bei Frauen vorn

Am letzten Tag der Biathlon-Weltmeisterschaften hatte die Sonne ihr Pulver verschossen. Dauerregen bestimmte die Massenstartrennen am Sonntag in Ruhpolding. Doch den besten Athleten dieser Titelkämpfe machte auch das nichts aus. Der Franzose Martin Fourcade krönte sich endgültig zum König der Biathleten. Nach Gold in Sprint und Verfolgung holte er sich zum Abschluss auch Gold im Massenstart. Ebenso wie die Norwegerin Tora Berger, die wie er drei Titel sammelte.

Wie in der Verfolgung löste sich Fourcade am Schießstandberg vom letzten Kontrahenten aus Schweden. War es vor Wochenfrist Carl Johan Bergman, versuchte diesmal Björn Ferry den überragenden Fourcade aufzuhalten - mit ebenso wenig Erfolg. Ferry rettete gerade noch Platz zwei vor dem nächsten Schweden Fredrik Lindström.

»Hierher komme ich immer wieder zurück. Die Fans waren wundervoll. Auf noch so eine WM werden wir lange warten müssen«, sagte Fourcade. »Dreimal Gold ist mehr, als ich je hätte erwarten können.« Ferry freute sich über seine fehlerfreie Schießleistung und die Medaille. Danach mauserte er sich noch zum Liebling der Massen: Er griff bei der Siegerehrung zum Stadionmikrofon und setzte zum gemeinsamen Ständchen mit 28 000 Fans an.

Spätestens dann war denen die Enttäuschung vergangen, nachdem sich Lokalmatador Andreas Birnbacher wie schon im Einzelrennen mit Platz vier begnügen musste. Fehlten am Dienstag nur 0,8 Sekunden zur Medaille, waren es nun auch nur 1,2. Birnbacher hatte lange geführt, doch erneut nach drei fehlerfreien Schießeinlagen im letzten Anschlag einmal daneben gezielt.

»Ich wollte heute unbedingt eine Einzelmedaille, jetzt ist es halt wieder der undankbare vierte Platz geworden. Schade! Aber ich habe eine gute Leistung gezeigt«, sagte Birnbacher. »Fourcade war nicht zu schlagen, die anderen hätte ich packen können. Dafür muss ich aber 20-mal treffen, das ist schwer«, so der Schlechinger. »Ich hatte Glück, dass Andi einen Fehler machte«, widersprach Fourcade. »Gegen ihn hätte ich sonst keine Chance gehabt.«

Nach zwölf Tagen WM zog der Präsident des Weltverbands IBU, Anders Besseberg, ein positives Fazit: »Wir hatten eine spektakuläre Zeit hier in Ruhpolding. Im Stadion und der Stadt herrschte eine fantastische Atmosphäre«, sagte er. »Die Deutschen haben diese WM zu einem großartigen Erfolg werden lassen.«

Sein einziger nicht ganz ernst gemeinter Kritikpunkt blieb das Wetter am letzten Wettkampftag. Freunde des gepflegten Kitschs waren sich einig: Der Biathlongott weinte, da neben Magdalena Neuner nun auch die Schwedin Helena Ekholm ihren Rücktritt zum Saisonende bekanntgab. Beide konnten im Massenstart ihren Abschied leider nicht mehr vergolden.

Wie Birnbacher verpasste auch Tina Bachmann auf Rang vier knapp eine Medaille. »Wäre Solemdal vor mir nicht gestürzt, wäre vielleicht mehr drin gewesen. Leider kam ich nicht mehr vorbei«, so Bachmann, die bei dem Malheur den Anschluss verlor. Nach der goldenen Staffel vom Samstag trauerte sie dieser Chance aber nicht lange nach.

Frauen, 12,5 km Massenstart

1. Berger (Norwegen) 35:41,6 min
2. Brunet (Frankreich) + 0:08,1
3. Mäkäräinen (Finnland) + 0:12,7
4. Bachmann (Schmiedeberg) + 0:42,4
5. Domratschewa (Belarus) + 0:55,6
10. Neuner (Wallgau) + 1:10,4
12. Henkel (Großbreitenbach) + 1:18,9

Männer, 15 km Massenstart

1. M. Fourcade (Frankreich) 38:25,4
2. Ferry (Schweden) + 0:03,0
3. Lindström (Schweden) + 0:03,4
4. Birnbacher (Schleching) + 0:04,6
7. Peiffer (Clausthal-Zeller.) + 0:20,3
22. Greis (Nesselwang) + 1:39,4
26. Schempp (Uhingen) + 1:56,6

Frauen, 4 x 6 km Staffel

1. Deutschland 1:09:33,0 h
(Bachmann, Neuner, Gössner, Henkel)
2. Frankreich + 0:28,5 min
3. Norwegen + 0:39,5
4. Belarus + 0:41,2
5. Schweden + 1:05,2
6. Ukraine + 1:20,5

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