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Von Karlen Vesper
13.03.2012

Jahrgang 1917

Zum Tod des deutsch-uruguayischen Antifaschisten Ernesto Kroch

Ein Jahrhundertleben hat sich vollendet. Mit Ernesto Kroch ist am Sonntag in Frankfurt am Main einer der letzten Zeugen der faschistischen Barbarei und des antifaschistischen Widerstands verstorben.
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Ernesto Kroch im Juni 2011 in der nd-Redaktion

Er war nicht der Überzeugung, dass die Verhinderung des Kriegsentfesselers und Massenmörders Hitler von vorn herein chancenlos gewesen wäre. Der am 11. Februar 1917 in Breslau geborene deutsch-uruguayische Kommunist und Gewerkschaftsführer Ernesto Kroch hat erlebt, dass eine geeinte Arbeiterschaft erfolgreich sein kann. Er war Lehrling in einem Metallbetrieb, als bei den Wahlen für betriebliche Vertrauenleute im März 1933 reichsweit die Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation (NSBO) eine empfindliche Niederlage einstecken musste. Also hätte, so Krochs Schlussfolgerung, ein Generalstreik, zu dem die KPD am 30. Januar 1933 aufgerufen hatte und der von der Kommunistischen Partei Opposition (KPD/O) unterstützt wurde, bei engagiertem Mittun seitens des SPD und des Gewerkschaftsbundes ADGB durchaus erfolgreich sein können. Doch die Gewerkschaftsführer zauderten, warnten vor Abenteuern, während die Sozialdemokraten - verständlicherweise - den Kommunisten deren schändliche »Sozialfaschismusthese« in den Jahren zuvor noch nachtrugen. Die KPD selbst hatte - ebenfalls nachtragend, wegen »Abtrünnigkeit« - zu lange die Einheitsangebote der KPD/O unter Heinrich Brandler und August Thalheimer abgelehnt. Die fatalen Folgen der Uneinigkeit bekam Kroch leibhaftig zu spüren.

Der junge Antifaschist klebte Zettel in Breslau an Hauswänden, verteilte Flugblätter, war im illegalen Widerstand für die KPD/O tätig. Im November 1934 fiel er der Gestapo in die Hände und wurde zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Anschließend kam er ins KZ Lichtenburg, eines der ersten Konzentrationslager der Nazis. 70 Jahre später betrat er die Stätte einstigen Leidens erstmals wieder, fand »seine« Zelle und erinnerte sich an Diskriminierung und Misshandlung im ehemaligen, zur Folterhöhle umgewandelten Schloss im sächsischen Prettin.

1937 konnte er ausreisen. Über die Tschechoslowakei verschlug es ihn nach Jugoslawien, wo ihn Zionisten für die Auswanderung nach Palästina werben wollten. Doch danach stand ihm nicht der Sinn. Während sein Bruder und seine Schwester ins Gelobte Land aufbrachen, machte er sich auf einen noch viel weiteren Weg, in eine gänzlich andere Hemisphäre. 1938 erreichte sein Schiff den Hafen von Montevideo. Uruguay sollte seine zweite Heimat werden.

Aus Ernst wurde Ernesto. Er arbeitete wieder in einem Metallbetrieb, organisierte sich in der Gewerkschaft und engagierte sich in den antifaschistischen Komitees der Emigranten. In eine Kommunistische Partei trat er nicht wieder ein, blieb aber Kommunist.

Nach der Niederschlagung des Faschismus in Europa und Asien konzentrierte sich Ernesto Kroch auf den sozialen und politischen Kampf in seinem Zufluchtsland, das ihm ans Herz gewachsen war. Die bewaffneten Aktionen der Tupamaros lehnt er als verzweifelte, letztlich aussichtslose Gewalt ab. Ernesto Kroch war stets da zu finden, wo Arbeiter um Lohnerhöhungen streikten, Bürger gegen Wohnungsnot und Mietpreiserhöhungen protestierten und die Ärmsten der Armen für ein menschenwürdiges Leben demonstrierten. Er unterstützte Stadtteilkomitees mit Rat und Tat und erfüllte die Casa Brecht mit geistvollem Leben. Zwischenzeitlich war er erneut in den Untergrund und ins Exil gezwungen. Im Juni 1973 hatte das Militär in Uruguay, unterstützt durch die USA, geputscht. 1982 floh Ernesto Kroch in die Bundesrepublik, drei Jahre später erst konnte er in seine lateinamerikanische Wahlheimat zurückkehren.

»Exil in der Heimat - Heim ins Exil« überschrieb er seine Autobiografie, die im Berliner Verlag Assoziation A erschien. »Ernesto alias Ernst - Der Langstreckenkämpfer« heißt ein Dokumentarfilm von Martin Keßler, der ihn vor einigen Jahren gemeinsam mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Eva Weil bei einer Reise in die Vergangenheit begleitete.

Ernesto Kroch war in der globalisierungskritischen Bewegung Attac aktiv. Und er glaubte, wie er in einem nd-Interview im vergangenen Jahr bekundete, an den Sozialismus im 21. Jahrhundert - der freilich ein anderer sein müsste und würde als jener, der mit der russischen Revolution in seinem Geburtsjahr auf die Welt kam.

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