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Von Werner Liersch
14.03.2012
Buchmesse

Atelier für »Neue Kleider«

MATTHIAS BISKUPEK: Schräge Typen, schwarzer Humor

Wenn die Texte eines Autors nicht mehr greifbar sind, sind sie im guten Fall vergriffen, im weniger guten vergessen oder im Ramsch. Im schlimmsten sind sie gar nicht erst auf den Buchmarkt gekommen. Im Fall des Autors Matthias Biskupek existieren viele seiner Texte im Zustand von »Vergriffen« und »Verstreut«, also in einer Eigenschaft, die einen tüchtigen Verleger auf den Gedanken bringen kann, sie neu herauszubringen.

Biskupek hat einen solchen Verleger in der Nora Verlagsgemeinschaft gefunden und der Buchproduzent in ihm einen passenden Autor. Biskupek scheint solches Glück anzuziehen, wie seine Bibliographie zeigt, wo es das eine oder andere Neugedruckte gibt, aber es ist kein willkürliches, verwirrendes Glück, es hat plausible Gründe. Jens Henkel beginnt sein Autorenlob im Vorwort des Bandes »Rose Schwartz ...« mit Praktischem. Biskupek »reagiert auf Wünsche, liefert pünktlich und verstößt nur ab und zu gegen Vorgaben«. Und den Lesern des Bandes begegnet wieder, was sie seit langem an diesem Autor anzieht, Hintergründigem in Geschichten und Gereimtem, schrägen Typen, schwarzem Humor, virtuosem Umgang mit der Sprache, einem seiner Phrasen entkleideten Leseralltag.

Biskupek unterhält ein Atelier für »Neue Kleider«. Das Studio ist auf »Enthüllung« spezialisiert und hat den Vorteil, nicht exquisit zu sein. Also nicht nur Königen und Kaisern offenzustehen. Hier finden eine Skatrunde Platz, »Opas Geburtstag«, der »alte Kommunist« oder der Lebenslauf der Frau K. , die zu »Beginn der neuen Zeit mit Nichts« dastand, das heißt mit einer kleinen Abfindung und einer eisernen Bratpfanne, in der sie immer mehr Fleischbrät verarbeitet, bis sie schließlich viele Aktien und einflussreiche Posten besitzt, der alle zuklatschen, »weil sie nämlich aus dem Osten war und es mit der eigenen eisernen Pfanne geschafft hatte«.

Comedy ist nicht schlecht, aber das hier ist Satire, pointierte Präsentation des uns Umgebenden und seines Personals mit dem Gespür für Fragwürdiges. Eine erfrischende Lektüre. Endlich überwinde ich, der Rezensent, der so viele Bücher von Biskupek schon gelesen und einige auch »besprochen« hat, meine Scheu, die mir die Klagenfurter Jurorenrunde eingeflößt hat, in der ich einige Zeit saß, wo die Kollegen/innen immer sagten, »das ist wie ...« und sage nun selber, das ist wie ..., wie Kästner, wie Tucholsky. Anspruch auf den Vergleich mit Tucholsky und Kästner hat Biskupek auch deshalb, weil er wie T. und K. in allen Genres etwas kann, nämlich auch Essay, Feuilleton, Rezension, Publizistik. Hier ist er der Interpret der Holzschneidekunst Karl Georg Hirschs, die mit einigen Proben seiner Meisterschaft vertreten ist.

»Opas Geburtstag« beschreibt in diesem Band glanzvoll die Leiden der armen Jubilare, die sich der ihnen zugedachten Ehrungen nicht mehr so richtig erwehren können. Opa ist noch bei der vorletzten Stufe. Er vermag sich nach verstrichenem Ehrentag noch freuen, dass er nun ein Jahr Ruhe hat. Die letzte Stufe ist erreicht, wenn er still dasitzt und in der Runde gesagt wird: »Aber er versteht noch alles«. Dem Band ist ein Grußwort zum Sechzigsten unseres Autors beigegeben. Man versteht ihn prächtig auch so.

Matthias Biskupek: Rose Schwartz und die Folgen. Texte aus der Buchdruckzeit. Nora Verlag. 167 S., br., 15 €.

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