Gemeinsam sind wir stark– linker Journalismus ist mir etwas wert!
    • Online-Abo
    • Kombi-Abo
    • Print-Abo
    • App-Abo
    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit dem Online-Abo erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln in elektronischer Form auf unserer Webseite und dazu das nd-ePaper. Zum Online-Abo
    Mobil, kritisch und mit Links informiert:
    neues deutschland als ePaper – und am Wochenende im Briefkasten!
    Prämie: Das nd-Frühstücksbrettchen. Der Wegbegleiter für den Start in den Tag.
    Zum Kombi-Abo

    Lesen Sie das »nd« wo und wann Sie wollen. Mit der nd-App erhalten Sie Zugang zur Zeitung in elektronischer Form als App optimiert für Smartphone und Tablet.

    Die nd-App gibt es für iOs und Android.

    Zum App-Abo
  • Per Überweisung:

    Stichwort: nd-paywall

    Berliner Bank
    IBAN: DE11 1007 0848 0525 9502 04
    SWIFT-CODE (BIC): DEUTDEDB110

    Ich habe bezahlt.

    Per Paypal

    PayPal

    Per Sofortüberweisung

    Sofortüberweisung

  • Ich beteilige mich mit einer regelmäßigen Zahlung

    Wir freuen uns sehr, dass Sie zu dem Entschluss gekommen sind: Qualitätsjournalismus zur Stärkung einer Gegenöffentlichkeit von links ist mir etwas wert!

    Mit ihrem solidarischen Beitrag unterstützen Sie linken unabhängigen Qualitätsjournalismus. Und: Sie unterstützen die Menschen, die sich selbst ein Abo nicht leisten können. Wir sind der Ansicht, dass Journalismus für möglichst alle zugänglich sein soll – deshalb bieten wir einen großen Teil unserer Artikel gratis zum Lesen und teilen im Netz an. Aber nur Dank der Abonnements und Zahlungen vieler Leserinnen und Leser können wir jeden Tag eine Zeitung produzieren: Gedruckt, als Onlineausgabe und als App.

    Turnus

    Meine Bankdaten

    Persönliche Angaben

    *Pflichtfelder
     
     
  • Ich bin schon Abonnent
    Login
  • Ich beteilige mich später
30.03.2012

»Leihgurken«

Die IG Metall bringt ihr »Schwarzbuch Leiharbeit« heraus

In ihrem Einsatz gegen den massenhaften Missbrauch von Leiharbeit geht die IG Metall mit einem neuen »Schwarzbuch Leiharbeit« an die Öffentlichkeit.

»Leiharbeit hat Namen und Gesicht«, sagte IG-Metall-Vize Detlef Wetzel bei der Vorstellung des neuen »Schwarzbuch Leiharbeit«, in dem Betroffene ihre alltägliche Erfahrung schildern. Leiharbeit diene längst nicht mehr zum Abfedern von Produktionsspitzen, sondern sei eine langfristige Personalstrategie und lasse Arbeit zur Ramschware verkommen, so Wetzel. Das Druckwerk stützt sich auf Interviews mit über 1000 Befragten, die zur wachsenden Zahl gewerkschaftlich organisierter Leiharbeiter gehören. Mittlerweile seien bundesweit über eine Million Leiharbeitnehmer im Einsatz, doppelt so viel Beschäftigte wie in der Automobilindustrie, so Wetzel.

»Ich habe mein Gesicht verloren«, zitiert das Schwarzbuch einen Leiharbeiter, der für qualifizierte Arbeit im erlernten Beruf mit 7,72 Euro Stundenlohn abgespeist wird. Davon könne er keine Familie ernähren. »Sie glauben gar nicht, wie weh es tut, wenn man vorher als Mitarbeiter im selben Betrieb gearbeitet hat, und nun schon über 18 Monate die gleiche Arbeit für die Hälfte weniger Lohn macht«, stellt ein anderer fest. Der von den Schöpfern der »Arbeitsmarktreformen« einst prognostizierte »Klebeeffekt«, der Leiharbeitern bei guter Leistung die ersehnte Festanstellung in der Kernbelegschaft bringen soll, sieht im Alltag anders aus, denn die meisten bleiben auf Dauer in prekären Arbeitsverhältnissen hängen. »Ich bin jetzt fünfeinhalb Jahre bei der Firma und hatte keine einzige Fehlschicht. Die ›Probezeit‹ muss doch mal ein Ende haben«, klagt ein Betroffener. Andere beklagen fehlende Menschenwürde, berufliche Perspektivlosigkeit und drohende Altersarmut. Manche fühlen sich wie »Leihgurken« oder »ein Stück Fleisch«. Es gehe nicht um Auftragsspitzen oder Ausgleich für Ausfälle, sondern darum, »sich auf legale Art mit den billigsten Mitteln die Taschen vollzustopfen«, sagt die gelernte Bürokauffrau Ute: »Das ist Ausbeutung und menschenunwürdig.«

Wie mühselig der betriebliche Kampf um Besservereinbarungen für Leiharbeiter ist, verdeutlichte Jens Köhler, Betriebsratsvorsitzender im Leipziger BMW-Werk. 2008 hatte der BMW-Gesamtbetriebsrat erreicht, dass der Konzern nur noch mit Leiharbeitsfirmen kooperiert, die ihren Beschäftigten den Grundlohn der Metallbranche zahlen. Damit erhalten Leiharbeiter in Leipzig statt ursprünglich 6,40 Euro nun gut 12 Euro Stundenlohn. Diese Verteuerung habe jedoch den Anteil der Leiharbeiter nicht verringert. Der Betriebsrat habe daher Ende 2011 »die Reißleine gezogen und die Zustimmung zur Beschäftigung der meisten Leiharbeiter für 2012 verweigert«, so Köhler: »Die Zustimmung muss sich BMW vom Arbeitsgericht holen«. Der Gewerkschafter rechnet damit, dass es demnächst eine Vereinbarung mit BMW über die Begrenzung von Leiharbeit geben werde.

Um die zunehmend regulierte Leiharbeit zu unterbieten, setzt das Leipziger BMW-Management auf den Einsatz von Fremdfirmen über Werkverträge. Von rund 6000 Beschäftigten im Betrieb gehörten 2700 zur Stammbelegschaft, 1100 zu Leihfirmen und über 2200 zu Werkvertragsfirmen, so Köhler. Somit gebe es in einem Betrieb mindestens vier Klassen: BMW-Stammbelegschaft, BMW-Leiharbeiter, Werkvertragsstammbeschäftigte und Werkvertragsleiharbeiter.

»Die Verrohung der Sitten am Arbeitsmarkt muss aufhören. Sonst ist bei BMW bald alles außer dem Vorstandsvorsitzenden outgesourct«, so Wetzel.

Artikel weiterempfehlen und ausdrucken