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Von Wilfried Neiße
05.04.2012
Brandenburg

Keine Eltern - keine Kinder

In absehbarer Zeit sinken die Schülerzahlen wieder

Mittelfristig werden in Brandenburg erneut rückläufige Schülerzahlen einen Teil der Schulstandorte in Frage stellen. Mit dem »demografischen Echo« sei ab 2017 vor allem im ländlichen Gebiet zu rechnen, sagte gestern Bildungsministerin Martina Münch (SPD), als sie die Halbzeitbilanz ihres Ressorts präsentierte.

Mit diesem »Echo« sei gemeint, dass die unerwartet heftigen Geburtenrückgänge in den 1990er Jahren sich 20 oder 25 Jahre später so auswirken, dass in der nachfolgenden Generation noch viel weniger Kinder geboren werden. Teilweise sinke die Geburtenrate um 40 Prozent, erklärte Münch, die selbst Mutter von sieben Kindern ist. »Wir werden weniger Kinder haben.« Mit so drastisch vielen Schulschließungen wie in den vergangenen anderthalb Jahrzehnten rechne sie für die Zukunft aber nicht, sagte Münch.

Auf jeden Fall werde sie im kommenden Herbst eine Demografie-Kommission einsetzen, die sich lange vorher mit dem Thema beschäftigen müsse. Von der Kommission erwarte sie Empfehlungen, sagte Münch. Für die Arbeit der Kommission sei nicht allein von Belang, dass es künftig noch weniger Kinder gibt. Es müsse auch darum gehen, dass im Berliner Umland sogar noch neue Schulen benötigt werden, weil Familien dorthin ziehen. Schon heute können sich auf dem flachen Land Schulen manchmal nur noch halten, weil die Lehrer jahrgangsübergreifend unterrichten, das heißt, dass Schüler verschiedener Klassenstufen vor ihnen sitzen.

Münch bekannte sich zu dem Ziel, dass sich für jedes Kind eine öffentliche Schule in zumutbarer Entfernung befindet. Man werde Privatschulen nicht »die Grundversorgung übertragen«. Angesprochen auf das Problem fehlender Stellen für Referendare sagte Münch: »Wir brauchen nicht so viele Gymnasiallehrer, wie wir ausbilden«. Auch an Grund-, und Oberschulen müssten demnächst viele ausscheidende Lehrer ersetzt werden. Weil Brandenburg im Unterschied zu Nachbarländern mit der attraktiven Verbeamtung locke, sei sie sicher, das zu schaffen, betonte die Ministerin.

Referendare würden entsprechend ihres Notenspiegels angenommen. Per Gerichtsbeschluss sei das Land gehalten, nur ein Viertel der Stellen entsprechend der Bedürfnisse im Land selbst zu besetzen. Hier nannte Münch als Defizit Mathematiklehrer und solche der Naturwissenschaften. Mehr als die Hälfte der 2000 Lehrer, die in der laufenden Legislaturperiode eingestellt werden sollen, haben inzwischen ihre Anstellung, informierte sie. Der im vergangenen Jahr erstmals vergebene Preis für gute Lehrer habe gut getan. Den Lehrern gebühre mehr Respekt in der Gesellschaft.

Von den Zielen der rot-roten Landesregierung, die im Koalitionsvertrag festgehalten seien, konnten schon eine Reihe erreicht werden, sagte die Ministerin. Für die Verbesserung des Betreuungsschlüssels in Kinderkrippen und Kindergärten zahle das Land zusätzlich 40 Millionen Euro. Das Schüler-Bafög habe die Chancengerechtigkeit für Kinder aus einkommensschwachen Elternhäusern erhöht. Über eine verbesserte Abiturquote könne man sich ebenfalls freuen.

Landtagsabgeordnete der Opposition reagierten mit Kritik auf die Bilanz der Ministerin. Gordon Hoffmann (CDU) meinte, ohne Skrupel verschweige Münch, was noch dazu gehöre: »Es gibt weniger Geld, weniger Lehrer, weniger Unterricht.« Marie Luise von Halem (Grüne) schätzte ein, Rot-Rot habe das Versprechen, der »Bildung erste Priorität einzuräumen«, nicht gehalten. Andreas Büttner (FDP) fand, eine Demografie-Kommission einzusetzen sei »richtig, aber noch lange keine Lösung«.

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