10.04.2012

Ziemlich beste Freundinnen

Flattersatz

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Nun geht sie erst richtig los, die »Causa Wulff«. Noch ermittelt der Staatsanwalt gegen Christian W., den juvenilen Altpräsidenten, doch längst steht fest, dass ihm der Ehrensold von jährlich 200 000 Euro sicher ist, und zwar bis ans Ende seiner Tage. Außerdem kriegt er einen gepanzerten Dienstwagen mit Chauffeur, zwei weitere Mitarbeiter und drei Büroräume in einem Bundestagsgebäude. Diese Amtsausstattung, erklärt das Präsidialamt, sei zur »geordneten Abwicklung von Korrespondenzen und zur Wahrnehmung nachwirkender Verpflichtungen« dringend notwendig.

Der Bundes-Expräsident, der sich seit dem Rücktritt zum Zwecke der geistigen Genesung in ein Kloster zurückgezogen hatte, nährt hochfliegende Ambitionen. Derzeit schreibt er eigenhändig eine politische Selbstbiografie, denn er möchte auch so reich werden wie seine reichen Freunde; siebenstellige Honorarangebote von Verlagen liegen vor. Frau Bettina ihrerseits wird ein kurzweiliges Buch über ihre 598 ersten Tage als First Lady nachschieben, mit Klatsch und Tratsch über Dates mit Royals, VIPs und Celebrities.

An Material ist kein Mangel. Nirgendwo in Deutschland passiert mehr als in Berlin: Herdprämie, FDP und Frauenquote, Intrigen, Kabale und Liebe. Nirgendwo auf der Weltbühne ist die Dramatik grandioser und Nerven zerfetzender als im absurden Theater der Prinzipalin Angela Merkel. Mit starker Hand zieht sie die Fäden, damit nicht plötzlich und unerwartet die Vernunft an Boden gewinnt. Wehe dem, der am »Betreuungsgeld« zu rütteln wagt!

Die Bundesregierung hat nicht die Absicht, für den Ausbau eines sinnvollen Systems von Kindertagesstätten aufzukommen. Stattdessen ist sie fest entschlossen, Milliarden Euro für Eltern auszugeben, die ihre Kinder standhaft von diesen bolschewistischen Kitas fernhalten. Müssen denn Mütter unbedingt arbeiten gehen? Und was spricht eigentlich dagegen, dass die kleinen Bayern direkt am heimischen Herd verblöden?! Wohin so was führt, zeigen die Auftritte des erbarmungswürdigen Guttenberg-Nachfolgers im Amt des CSU-Generalsekretärs Alexander Dobrindt.

Das beschämende Betreuungsgeldpalaver ist der sozialpolitische GAU, der größte anzunehmende Unsinn. Die Kanzlerin hat ein Machtwort gesprochen, und darum soll sie nun auch unbedingt kommen, ihre Herdprämie. Nicht, weil sie »Ziel führend« wäre, sondern weil sie schwarz auf weiß im schwarz-gelben Koalitionsvertrag steht. Kristina Schröder (CDU), die Familienministerin, schweigt dazu. Das sei ihr gegönnt. Sie ist erschöpft vom nicht enden wollenden Zoff mit Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU), die eine Menge Haar auf den Zähnen hat. Wieder mal geht es um die Gleichberechtigung. Die Drohung der besseren Hälfte des deutschen Volkes lautet: Wir hätten gern die Hälfte der bezahlten Arbeit, die Hälfte der Macht und überlassen den Herren der Schöpfung dafür gern die Hälfte der unbezahlten Hausarbeit.

Ich weiß genau, was Frauen wollen. Keine potjomkinschen Quoten, sondern gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Dieser Gedanke ist beiden Ministerinnen anscheinend fremd. Stattdessen kämpfen sie für Frauenquoten in Chefetagen, Frau von der Leyen für 30 Prozent, die beleidigte Frau Schröder für ihre romantische »Flexi-Quote«, mit der sie sich flexibel den Wünschen der Bosse unterwirft … Rummelboxen im Kanzleramt. Ring frei zur Freude aller Sportfreunde. Die Kampfhennen kämpfen mit harten Bandagen - wie die Kesselflickerinnen. Sagt, holde Frauen, die ihr sie kennt, sagt, ist es Liebe, was hier so brennt?

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