HERMANNUS PFEIFFER
11.04.2012

Ist das »Riestern« auch für Hartz-IV-Bezieher und Minijobber attraktiv?

Riester-Rente

Arbeits- und Sozialministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat im März ein Rentenkonzept vorgelegt, das bei der Zuschussrente nun auf die Anrechnung der staatlich geförderten Eigenvorsorge verzichtet. »Riestern« soll sich also ab dem Wahljahr 2013 auch für Rentner auszahlen, die vom Staat soziale Hilfen erhalten.

Bislang hat nämlich nicht jeder im Alter etwas von seiner ersparten Privaten Altersvorsorge wie »Riester« oder »Rürup«. Finanzverkäufer preisen zwar die Riester-Rente als »private Vorsorge gegen Altersarmut« an, doch wer eine Minirente erhält und deswegen vom Staat Hilfe beansprucht, damit er oder sie nicht verhungert, dem wird seine Riester-Rente vom staatlichen Zuschuss abgezogen. Kleinverdiener kommen im Alter trotz Riester nicht über das Existenzminimum hinaus! Das soll sich nun durch von der Leyens Rentenpaket ändern.

Damit wäre die private Riester-Rente »rentensicher« und ein großes Leck der rot-grünen Rentenreform 2000/2001 gestopft. »Hartz IV-sicher« ist die private Altersvorsorge damit aber in vielen Fällen immer noch nicht während der Ansparphase: Bei Riester ist nur der Teil vor einer Verwertung geschützt, der staatlich gefördert wurde (freiwillige Zahlungen darüber hinaus nicht); bei Rürup gibt es sogar keinerlei Schutz vor einer Verwertung vor Hartz-IV-Ansprüchen.

Die sogenannte Basisrente wird ähnlich wie Riester vom Staat gefördert und ist vornehmlich für Selbstständige gedacht.

Eine Verwertung des Kapitals vor Rentenbeginn ist bei der Basisrente komplett möglich, wenn der Hartz-IV- oder ALG-II-Antrag wegen des vorhandenen Rürup-Kapitals abgelehnt wird. Dann kann der Rürup-Vertrag trotz Ausschlusses des ordentlichen Kündigungsrechts außerordentlich gekündigt werden, und der Versicherer muss das vorhandene Kapital auszahlen. Riester-Verträge können ohnehin vertraglich gekündigt werden. Hier ist wegen der Anrechnung auf Hartz IV der Teil des Vertrages verwertbar, der aus »überzahlten« - nicht mehr geförderten - Beiträgen stammt.

Unser Tipp

Ihre Riester-Einzahlungen bis zu 2100 Euro jährlich und die Erträge daraus sind geschützt. Wenn Sie beispielsweise 20 Jahre lang in einen Riester-Banksparplan eingezahlt haben, bevor Sie arbeitslos wurden, sind das 42 000 Euro plus die Zinsen, die Sie bis dahin erhalten haben.

»Riestern« (fast) zum Nulltarif

Die Riester-Rente hatte von Anbeginn an einen doppelgesichtigen Januskopf aufgesetzt bekommen: Einerseits steht dahinter ein politisches Konzept, das von Gewerkschaften und der politischen Linken heftig kritisiert wurde. Andererseits ist diese private Altersvorsorge als sichere und rentierliche Geldanlage gerade für den »kleinen Mann« kaum zu übertreffen.

Daher sollten auch Menschen mit Minieinkommen prüfen, ob sich nicht der Abschluss einer privaten Altersvorsorge für sie langfristig auszahlt. Die Privatrente gibt es unter Umständen sogar (fast) zum Nulltarif.

So hat die Riester-Vorsorge vor allem einen Vorteil:

Sparer erhalten für den Riester-Vertrag Zulagen vom Staat - bis zu 154 Euro Grundzulage pro Jahr. Zusätzlich erhalten Sparer Kinderprämien: 185 Euro Zulage je Kind (für das Kindergeld bezogen wird). Für kleine Kinder, die ab dem Jahr 2008 geboren wurden, gibt es 300 Euro im Jahr.

Um die Förderung zu erhalten, müssen Sparer mit kleinem Einkommen lediglich 60 Euro pro Jahr selbst einzahlen. Das heißt: Eine Mutter oder ein Vater mit drei kleinen Kindern muss lediglich fünf Euro pro Monat Beitrag in eine Riester-Rente einzahlen und erhält einen staatlichen Zuschuss pro Jahr von 1054 Euro. Dazu kommt langfristig noch eine (eher minimale) Verzinsung durch den Finanzanbieter, bei dem Sie einen entsprechenden Vertrag abgeschlossen haben.

Das lohnt sich im Regelfall auch für Geringverdiener, und selbst mancher Hartz-IV-Bezieher zwackt von seinem wenigen Geld diese Euro ab oder lässt sich beispielsweise von seinen Eltern aushelfen, heißt es bei der Deutschen Rentenversicherung in Berlin. Das Amt verwaltet hauptsächlich die gesetzliche Rentenversicherung. Außerdem gehört das »Riestern« zu den sichersten Geldanlagen. Die staatliche Riester-Förderung garantiert dem Sparer mindestens die Summe seiner Einzahlungen plus die staatlichen Zulagen sowie eine lebenslange Rente.

Vorteil bei einem langen Leben, bei kürzerem eher nicht

Ansonsten ist es eine Wette: Bei einem langen Leben wird diese Rente zu einem guten Geschäft, bei einem kürzeren Leben eher nicht. Verloren ist das Geld aber auch dann nicht gänzlich: Angehörige können zeitweise in den Genuss der Riester-Rente des Verstorbenen kommen.

Doch bislang gibt es einen entscheidenden Haken: Zwar wird eine Riester-Rente generell zusätzlich zur gesetzlichen Rente ausgezahlt. Doch wer während seines Arbeitslebens durchgängig sehr wenig verdient hat, bekommt eine so niedrige gesetzliche Rente, dass er Anspruch auf die sogenannte Grundsicherung hat. In solchen Fällen gilt: Einkommen aus einer Riester-Rente wird berücksichtigt und führt zu einer Kürzung oder den Wegfall von Grundsicherungszahlungen. Dies soll sich nun nach den Plänen der Sozialministerin ändern.

So bleibt ein Restrisiko für Riester-Sparer: Wer eine ungünstige Erwerbskarriere erwartet, sollte die Finger von der privaten Altersvorsorge lassen. Doch wer weiß schon, ob er in zehn oder zwanzig Jahren immer noch Geringverdiener ist?