Von Kai Agthe
12.04.2012
Literatur

Wo auch Wölfe wohnen

Beatrix Langner in der Mark Brandenburg

In Berlin bin ich einer von drei Millionen,/ in Brandenburg kann ich bald alleine wohnen«, heißt es in einem Lied von Rainald Grebe. »In Berlin kann man so viel erleben,/ in Brandenburg sollen wieder Wölfe leben.« Schon Kleist hat vermutet, dass Gott beim Weltschöpfen die Mark Brandenburg übersehen habe. So berichtet es Beatrix Langner, die sowohl in Berlin als auch im Fläming-Dorf Wiesenburg lebt.

Das Land hat sie ganz durchmessen: von der Prignitz im Norden bis zum Spreewald im Süden, von Brandenburg im Westen bis Frankfurt im Osten. Wölfe hat sie zwar noch nicht gesichtet, aber viel Geschichte und Gegenwart. Für Brandenburg ist nicht nur der märkische Sand charakteristisch, sondern auch das Wasser. Also ist auch ein Kapitel enthalten, das den Flussläufen von Dahme, Havel, Oder und Spree folgt. Günter Eich, Klabund und Richard Dehmel haben die Ströme in ihren Gedichten besungen. Daneben sind es Heinrich von Kleist aus Frankfurt/Oder, Theodor Fontane aus Neuruppin, Erwin Strittmatter aus Spremberg und Ehm Welk aus Biesenbrow im Oderbruch, die in märkischer Erde wurzeln. Einmal literarisch unterwegs, unternimmt die Autorin auch einen Abstecher nach Calau. Ob der Kalauer, der sog. Flach- oder Plattwitz, der Stadt seinem Namen verdankt, ist hier nicht zu klären; wohl aber hatte seinerzeit die Satirezeitschrift »Kladderadatsch« eine Rubrik, die »Aus Kalau wird berichtet« hieß.

Wirtschaftliche »Leuchttürme« wie in Thüringen, Sachsen, oder Sachsen-Anhalt finden sich in Brandenburg nicht in gleichem Maße. So sieht Beatrix Langner die Mark Brandenburg derzeit eingespannt »zwischen Museumspark und Zukunftswerkstatt«. Ein Abschnitt gilt der Landeshauptstadt. Da hat sich bei Langner ein »ästhetisches Hungergefühl« eingestellt, weil der an sich pittoresken Stadt Potsdam die architektonische Mitte fehlt.

Ein um Aufklärung und Unterhaltung bemühtes Büchlein - es nährt den Wunsch, das weite märkische Land zwischen Heide und Sand, wo sich die Wölfe noch lange nicht »Gute Nacht« sagen, näher kennenzulernen oder erst zu entdecken.

Beatrix Langner: Mark Brandenburg. Hoffmann und Campe. 127 S., geb., 15 €.

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