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Hans-Dieter Schütt
14.04.2012

Logistik? Chaos!

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Dieser Samstag ist der Tag der Logistik. Manchmal ist man froh, dass das Jahr keine fünfhundert Tage hat. Mann, wer oder was dann noch alles zu Ehren käme! Logistik also. Fein gezogene Fäden und Leitungen. Vernunft der Arbeit. Arbeit der Vernunft. Das heißt: Ordnung, Folgerichtigkeit, eine Philosophie kürzester Wege. Die Gesellschaft als eine Art Maschine, der man die Herstellung des gelingenden Lebens anvertrauen kann - unter der Voraussetzung, man verhält sich funktionsgerecht. Effizienz! Die ist zu steigern, bis sie wie Exzellenz klingt. Eine Eminenz ist sie schon, wohin man auch schaut. Da wächst doch unverzüglich die Lust, das Gegenteil zu preisen, das Chaos.

»Ich bin des Chaos wunderlicher Sohn«, sagt Mephisto, und denken wir ehrlich daran, dass er uns in Goethes Stück stets um Längen sympathischer war als dieser strebsame Faust. Obwohl Generationen von Dramaturgen, den Staub der Gelehrsamkeit auf der Seele und sich die selbige aus dem pergamenthäutigen Leib schreibend, in dicken Programmheften für Faust warben. Der Fortschrittsmensch. Der aber noch im Sinnlichen so Biedere. Ein Vorläufer der geschichtlichen Logistiker, die da forsch Einteilung betrieben: Sklaverei, Feudalismus, Kapitalismus, Sozialismus, Kommunismus. Nun, kein kurzer, aber doch ein sehr geradliniger Weg. Nur aus dem Kommunismus, das war absehbar, würde es keinen Ausweg mehr geben.

Die Geschichte hatte deshalb schon vorher ein Einsehen. Sie beendete den fiktiven Sozialismus, schuf im Herbst 1989 wunderbare Momente der friedlichsten Anarchie aller deutschen Zeiten, und am Palast der Republik, dort, wo bislang der Etikettenschwindel »Volkskammer« stand, war plötzlich ein Graffito zu lesen: »Das Chaos ist aufgebraucht. Es war die schönste Zeit.« Brecht. Dann kam, was jetzt ist. Aber das Jetzt belegt, was doch alle Zeiten belegen: Chaos kann ja überhaupt nicht aufgebraucht werden. Es ist Grund und Gesetz und Garant der Welt.

Der Mensch bleibt ein Gestrüpp der Optionen. Jede Tat zielt auf Konstellationen, die sich im Moment der Tat verändern. Philosoph Volksmund sagt es immer wieder: Erstens kommt es anders, zweitens als man denkt. Der Logistik untermischen sich Zwischenfälle. Logik prallt auf Überraschung, fortwährend. Jede Antwort zeugt eine neue Frage.

Am Tag der Logistik wäre an alle Wände zu schreiben: die Wahrheit aller Existenz. Und die lautet. Wir setzen fortwährend nur auf Rot und Schwarz, aber die Kugel rollt doch verlässlich ins Bunte.


Hans Magnus Enzensberger: Der Störfall

O Deus sive natura, Evolution,
damit hast du wohl nicht gerechnet.
Ja, das kann jedem passieren.
Wenn man derart mächtig ist -
irgendein Zufall, und schon
erhebt so eine Kreatur sich
auf zwei Beine, fängt an zu reden,
schlimmer noch - denkt!
Natürlich, am Anfang wird man noch angefleht,
Rauch steigt auf von den Altären,
aber kaum haben sie einigermaßen
zu essen, werden sie übermütig.

Hans Peter Grauke aus Fulda,
um nur ein Beispiel zu nennen,
der vor der Disco lauert
mit seinem neuen Jagdmesser,
untherapierbar, oder Höllreuther,
Virologe und Welterlöser:
Milliarden von Ich-Sagern.
Wahnsinn, was denen einfällt.
Alles bringen sie durcheinander.
Und dabei hattest du, liebe Evolution,
alles so wunderbar eingerichtet!


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