14.04.2012
Person

Haushälter

Otto Fricke soll neuer Schatzmeister der FDP werden

Das liberale Personalkarussell hat sich in jüngster Vergangenheit schnell gedreht. Erst trat Guido Westerwelle vom Amt des Parteivorsitzenden zurück und Philipp Rösler rückte zum Chef auf. Dann schmiss Christian Lindner die Brocken als Generalsekretär hin und Schatzmeister Patrik Döring wurde - zunächst kommissarisch - sein Nachfolger. Wenn Döring nächstes Wochenende von den Delegierten das Bundesparteitags offiziell ins Amt gewählt wird, muss sein Posten als Schatzmeister neu besetzt werden. Heißester Kandidat dafür ist Otto Fricke, haushaltspolitischer Sprecher der Bundestagsfraktion aus Krefeld in Nordrhein-Westfalen.

Der 46-jährige Jurist ist einer von vier Parlamentarischen Geschäftsführern seiner Fraktion. Wenn man einschlägigen Medien Glauben schenken darf, hat Fricke als Schatzmeister eine schwere Aufgabe zu bewältigen. Laut Springer-Presse ist die FDP nämlich in Geldnöten. Gönnerhafte Spender der Partei hätten von Schwarz-Gelb die Nase voll und holten nicht mehr so gerne das Portemonnaie aus der Tasche. Auch sei die Zahl der Mitglieder zurückgegangen, und damit fließen weniger Beiträge auf die Parteikonten. Außerdem gibt es nach den unterirdischen Landtagswahlergebnissen im Saarland und in Berlin für die Liberalen weniger Wahlkampfkostenerstattung.

Doch haushalten kann Fricke, diese Qualität hat er bereits unter Beweis gestellt. Der dreifache Familienvater leitete von 2005 bis 2009 den Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestags. Allein mit guter Buchführung ist es in der aktuellen Situation der FDP allerdings nicht getan. Ihr unmittelbares Ziel muss es sein, bei den anstehenden Wahlen in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein die fünf Prozent zu knacken. Verpasst die Partei den Einzug in beide Landesparlamente, dann steht auch die Regierung in Berlin wieder zur Diskussion.

Die FDP-Misere wird der neue Schatzmeister nicht beenden. Die Krise wird die Liberalen noch lange nach dem Parteitag beschäftigen. Ob Rösler dann noch Parteichef ist, wird sich nach den beiden Landtagswahlen zeigen.

Christian Klemm

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