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14.04.2012
Meine Sicht

Armselig

Klaus Joachim Herrmann über die Anti-Müller-Stimmung

Teile der hauptstädtischen SPD demontieren mit dem Landesvorsitzenden Michael Müller ohne erkennbare Not gerade die nach Klaus Wowereit wichtigste Figur. Neben dem Regierenden Bürgermeister ist der Senator für Stadtentwicklung der Mann mit dem größten Einfluss und Gestaltungsraum. Ohne seine Leistung kann die SPD in der Regierung kaum erfolgreich sein. Auch eine erfolgreiche Koalition mit den Roten war nur mit einem Mann wie ihm zu machen. Müller hielt den Laden zusammen.

Nun verdichtet sich allerdings eine Art diffuser Anti-Müller-Stimmung. Der Genosse wird öffentlich als fähig gelobt, während Attacken gegen ihn laufen. Die sind so schwer zu greifen, dass dagegen nächtliche Klingelstreiche und Eierwürfe als klare Botschaften erscheinen. Selbst ein Gegenspieler ist immer noch vermutet - aber nicht erklärt.

Das derzeit einzige wirkliche Argument lautet, als Senatsmitglied bei Rot-Schwarz sei der SPD-Landesvorsitzende zu stark in die Koalition eingebunden, als dass er originäre sozialdemokratische Positionen vertreten könne. Aber er ist doch im Senat, um SPD-Interessen durchzusetzen - anderswo sind SPD-Parteivorsitzende sogar Regierungschefs. So reduziert sich das Hauptargument gegen Müller auf die schlichte Vermutung, dass er eines Tages vielleicht nicht so würde, wie er sollte, wenn er müsste. Über so etwas soll er als Parteichef fallen? Man mag es kaum glauben. Manchmal freilich hat aber schon weit weniger genügt.

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