Malis territoriale Einheit ist gefährdet

Tuaregexperte Georg Klute über die Rebellion im Norden des Sahellandes und seine Folgen

Georg Klute ist Professor für Ethnologie Afrikas an der Universität Bayreuth. Seit 1973 gehört der nördliche Sahel (Algerien, Mali, Niger) zu seinen Arbeits- und Forschungsschwerpunkten. Von 1991 bis 1998 widmete er den Rebellionen der Tuareg in Niger und Mali große Aufmerksamkeit. Über die Situation in Mali nach der Ausrufung der Unabhängigkeit im Norden sprach mit ihm Martin Ling.

nd: Mali galt hierzulande lange als afrikanische Musterdemokratie. Seit Jahresbeginn überschlagen sich die Ereignisse: Rebellion im Norden, Militärputsch am 22. März im Süden, Ausrufung des unabhängigen Staates Azawad am 6. April im Norden, Rücktritt der Putschregierung im Süden zugunsten des bisherigen Parlamentspräsidenten Dioncounda Traoré am 12. April. Ist Malis territoriale Einheit durch diese Prozesse gefährdet?
Klute: Die ist eindeutig gefährdet. Es ist sehr gut möglich, dass am Ende der jüngsten Entwicklung zwei offizielle Staaten stehen oder jedenfalls ein anderes Mali, als wir es bisher gekannt haben. Ohnehin war das Bild Malis als Musterdemokratie schöngefärbt. Mali hat zwar in den 90ern den Übergang von einer militärischen Einparteienherrschaft zu einer Vielparteienherrschaft in einem parlamentarischen System gut geschafft. Doch der gestürzte Präsident Amadou Toumani Touré hatte danach das Rad in Richtung einer Einparteienherrschaft in einem anderen Gewand zurückgedreht. Er selbst war nicht Mitglied einer Partei. Stattdessen gründete er eine Präsidentenbewegung und forderte alle politisch Einflussreichen dazu auf, sich dieser anzuschließen. Faktisch entstand dadurch ein Klientelsystem mit der Fassade einer parlamentarischen Demokratie, die von dieser Nicht-Partei der Präsidentenbewegung dominiert wurde.

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