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17.04.2012

Erst therapieren, dann Auto fahren

Fachärzte raten dringend zu einer frühzeitigen Therapie von Lebererkrankungen

Bei Menschen mit chronischen Lebererkrankungen ist häufig die Fahrtüchtigkeit herabgesetzt, warnt die Deutsche Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) auf ihrem 118. Kongress, der heute in Wiesbaden zu Ende geht.

Mehr als drei Millionen Menschen in Deutschland sind leberkrank. Der Verlauf ist häufig chronisch und am Ende steht nicht selten eine Vernarbung der Leber, die Zirrhose. »Die Patienten leiden dann nicht nur unter den Einschränkungen der Leberfunktion«, sagt Professor Dieter Häussinger von der Heinrich Heine Universität Düsseldorf in einer Mitteilung der DGIM. »Betroffen ist zum Beispiel auch das Gehirn«, erläutert der Experte: »Die Leber ist bei einer Zirrhose immer weniger in der Lage, Ammoniak und andere Substanzen aus dem Blut zu entfernen.« Die Gifte stammen aus dem Darm, wo sie von Darmbakterien abgesondert werden. Über das Blut gelangen sie ins Gehirn.

»Viele Patienten mit Leberzirrhose entwickeln eine hepatische Enzephalopathie«, so Häussinger. Der Beginn sei in der Regel schleichend. Anfangs sei die Konzentration gestört, die Aufmerksamkeit lasse nach, die Reaktionsfähigkeit nehme ab. Häufig sei auch die Feinmotorik gestört, die Hände zittern stark. Bereits im Frühstadium sind viele Patienten fahruntüchtig. Studien hätten gezeigt, dass Menschen mit hepatischer Enzephalopathie häufiger Fahrfehler begingen als andere.

Für ihn steht fest, dass die hepatische Enzephalopathie für zahlreiche Verkehrsunfälle verantwortlich ist, auch wenn die Erkrankung in den Unfallstatistiken praktisch nicht auftaucht: »Exakte Zahlen über Verkehrsunfälle von Leberkranken gibt es in Deutschland nicht.« Zwar machen Leitlinien für Erkrankungen wie Diabetes oder Epilepsie klare Vorgaben zur Teilnahme am Straßenverkehr. Leberzirrhosepatienten sind nach derzeitiger Gesetzeslage nur bei »Dekompensation mit Bauchwasserbildung« fahruntüchtig. »Als Ärzte müssen wir dieses Problem wahrnehmen und den Patienten vermitteln, dass sie sich selbst und andere gefährden, wenn sie ihre Erkrankung ignorieren«, sagt DGIM-Präsident Professor Dr. med. Joachim Mössner vom Universitätsklinikum Leipzig. Oft sehen Patienten dies jedoch nicht ein. Auch dies könnte Folge der schleichenden Hirnvergiftung sein, die häufig mit einer Wesensveränderung einhergeht.

»Wir raten Patienten dringend, die Erkrankung frühzeitig zu behandeln. Eine effektive Therapie ist heute durch Laktulose und Antibiotika möglich«, so Professor Mössner. Laktulose begünstigt das Wachstum von Darmbakterien, die Milchsäure statt Ammoniak produzieren und beschleunigt die Darmpassage. Ein Antibiotikum tötet die schädlichen Darmbakterien ab. Beide Mittel gelangen nicht vom Darm ins Blut. »Die Therapie kann ohne größere Risiken über längere Zeit fortgesetzt werden«, sagt Professor Mössner. Eine frühe Therapie sei wichtig, weil die Hirnschäden oft nicht umkehrbar sind - und auch die Fahrtauglichkeit gehe dauerhaft verloren. nd

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