17.04.2012

Die K-Frage

Kommentar von Olaf Standke

Es war kein gutes Wochenende für Barack Obama. Gleich elf seiner Personenschützer vom Secret Service mussten wegen eines Sauf- und Sex-Skandals vom Amerikagipfel in Kolumbien abgezogen werden. Und auch politisch lief es in Cartagena de Indias alles andere als befriedigend für den USA-Präsidenten. Im Unterschied zu seinem ersten Kontinentalgipfel vor drei Jahren war er nicht mehr der strahlende Wahlsieger und Hoffnungsträger. Die Gräben unter den 31 Staats- und Regierungschef sind unübersehbar.

Vor allem die K-Frage sorgte wieder einmal für Spannungen: An Kuba und seiner Teilnahme am »Gipfel der Amerikas« scheiden sich nach wie vor die Geister, nur war ein USA-Präsident in dieser Frage wohl noch nie isolierter als bei diesem Treffen. Für Kolumbiens Staatschef und Gipfelgastgeber Juan Manuel Santos wie für fast alle Gäste aus Amerika war klar: Ein weiterer OAS-Gipfel ohne die rote Karibik-Insel ist undenkbar. So wie das Embargo gegen Kuba als Anachronismus des Kalten Krieges endlich fallen müsse. Ecuadors Präsident Rafael Correa war dem Gipfel aus Protest gegen Havannas Ausschluss gleich ganz ferngeblieben. Das Veto der USA sei inakzeptabel, ihr Embargo unmenschlich. Kein Wunder also, dass es am Ende keine gemeinsame Abschlusserklärung gab, was allerdings auch an den deutlichen Meinungsverschiedenheiten mit Washington beim Thema Drogenlegalisierung lag. Bewegen sich die USA nicht, könnten die Lücken auf dem »Familienfoto« beim nächsten Gipfel größer werden.