Von René Heilig
17.04.2012

Obamas »Kugelfänge« ließen's krachen

Vor dem Amerika-Gipfel: Sex-Skandal mit Secret-Service-Agenten

Angehörige des Secret Service haben es beim Amerika-Gipfel in Cartagena offenbar so richtig krachen lassen. Ihr Boss, der US-Präsident, dem die Agenten als »Kugelfang« dienen, lässt prüfen, ob er verärgert sein muss.

So einen Typen nennt man wohl »Kameradenschwein«! Erst eine Dame der käuflichen Liebe ordern und sie dann nicht bezahlen, das ist schon übel genug. Doch dadurch die etwas sehr lockere Freizeitbeschäftigung einer ganzen Agenten-Crew auffliegen zu lassen, das ist der Gipfel!

Seit Gründung der US-amerikanischen Präsidenten-Sicherheitstruppe im Jahre 1865 versehen die Agenten des United States Secret Service ihre Arbeit zumeist unauffällig, geräuschlos und effektiv. Doch vor dem Amerika-Gipfel in Cartagena schlug ein gutes Dutzend dieser drahtigen Jungs mit Sonnenbrille, Kanone und Knopf im Ohr über die Stränge. Während ihrer einwöchigen Abordnung als Vorauskommando im Gipfelteilnehmer-Luxus-Hotel »Caribe« haben sie nicht nur unmäßig gesoffen. Nach einem Bericht der »Washington Post« ist noch nicht klar, wie viele Agenten Frauen mit auf ihr Zimmer genommen hatten und ob alle Prostituierte waren. Zwar sei Prostitution in Kolumbien teilweise legal, aber nach dem Verhaltenskodex des Dienstes sind derartige Kontakte tabu.

Weil sich eine der Damen um den ortsüblichen Lohn von 47 Dollar geprellt sah, kam die Polizei ins Spiel und unterrichtete die US-Botschaft. Elf »Special Agents« wurden noch vor Obamas Eintreffen in Kolumbien zurück nach Washington beordert, stundenlang vernommen und wegen grober Verstöße gegen den Ehrenkodex des Dienstes von eben diesem suspendiert. Damit nicht genug: Fünf US-Soldaten, die den Agenten zugeteilt waren, wurden in Kolumbien festgesetzt. Ihnen drohen Disziplinarverfahren.

Der Vorsitzende des Ausschusses für Heimatschutz im US-Repräsentantenhaus, Peter T. King, ein Republikaner, betonte zwar, dass zu keiner Zeit eine Gefahr für den von den Demokraten gestellten Präsidenten bestanden habe, doch im anhebenden Wahlkampf kann alles, was es aus dem Umfeld des Präsidenten zu vermelden gibt, Stimmung machen, die Stimmen bringt.

Rund 4500 Spezialagenten, uniformierte Bedienstete und 2000 technische Helfer in 150 Büros (darunter auch in Frankfurt am Main) sind Angestellte des Dienstes. Sie erwarten nun »ein großes Reinemachen«. Denn so sehr die Elitetruppe in Krimis gelobt wird, sie hat auch Schattenseiten. 2009 ließ der »Secret Service« zwei dubiose Autogrammjäger unerkannt ins Weiße Haus hinein. Im vergangenen Jahr erwischte man einen Agenten betrunken am Steuer, ein weiterer war in Honolulu in eine tödliche Schießerei verwickelt.

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