Von Theresa Münch, dpa
17.04.2012

Massenmörder verhöhnt seine Opfer

Breivik plädiert bei Prozess in Oslo auf »nicht strafschuldig«

Er sind schmerzliche Stunden für die Angehörigen der norwegischen Terroropfer. Im Gerichtssaal müssen sie ihr Trauma noch einmal durchleben - und sehen, wie Breivik seine Opfer kühl verhöhnt.

In Oslo hat am Montag der Prozess gegen Massenmörder Anders Behring Breivik begonnen. Der rechtsradikale Islamhasser plädierte auf »nicht schuldig«, er habe in Notwehr gehandelt. Der 33-Jährige muss sich für den Tod von 77 Menschen verantworten. Die Verlesung der Anklageschrift und der Opferliste verfolgte Breivik ohne emotionale Regung.

»Ich gebe die Taten zu, bekenne mich aber nicht strafschuldig«, sagte Breivik, der mit geballter Faust einen rechtsradikalen Gruß zeigte. So oft wie möglich ergriff er das Wort: Das Gericht erkenne er nicht an, es sei von Parteien eingesetzt, die den Multikulturalismus unterstützten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, im Juli 2011 im Osloer Regierungsviertel mit einer Autobombe acht Menschen getötet zu haben. Dann habe er auf der Insel Utøya gezielt 69 Teilnehmer eines Feriencamps für junge Sozialdemokraten umgebracht. Er ist wegen Terrorismus' und vorsätzlichen Mordes angeklagt.

Der Prozess, der als größter der norwegischen Geschichte eingeordnet wird, wurde für die Angehörigen live in 17 Gerichtssäle in ganz Norwegen übertragen. Fernsehsender zeigten ihn weltweit. Mehr als 800 Medienvertreter von 220 Redaktionen sind akkreditiert.

Im Mittelpunkt steht die Frage nach der Schuldfähigkeit. Für seine Terrorakte könnte Breivik 21 Jahre ins Gefängnis kommen - oder, falls ihn das Gericht für geisteskrank erklärt, in die geschlossene Psychiatrie.

Staatsanwältin Inga Bejer Engh verlas zu Beginn die Namen der 77 Todesopfer. Auf Utøya tötete Breivik ihren Ausführungen zufolge 67 Menschen durch Schüsse, ein Opfer erlag auf der Flucht vor dem Mörder seinen Schussverletzungen, ein Opfer ertrank. Schockierend und emotionsgeladen wurde es vor allem, als die Staatsanwälte eine Tonaufnahme vorspielten, auf der ein Mädchen auf Utøya die Polizei um Hilfe ruft. Im Hintergrund sind Schüsse zu hören. Während des Telefonats starben nach Angaben der Anwälte wahrscheinlich 14 Menschen. Hier kamen vielen Angehörigen der Opfer, die den Prozessauftakt größtenteils gefasst verfolgten, die Tränen. Vor allem in den kommenden fünf Tagen, wenn Breivik selbst seine Motive erklären darf, erwarten die Angehörigen schockierende Aussagen.

Staatsanwalt Svein Holden berichtete über Breiviks Vorbereitungen der Attentate und rekonstruierte minutengenau die Bombenexplosion in Oslo und das Massaker auf Utøya. Dabei ging er auch auf das 1500 Seiten starke Manifest des Rechtsradikalen ein, in dem dieser vor einer Islamisierung Europas warnt.

Breiviks Weltbild sei schwer zu verstehen, betonte sein Verteidiger Geir Lippestad. Daher sei es umso wichtiger, dass der 33-Jährige seine Taten selbst erklären dürfe.

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